Beißender Sarkasmus war stets die wichtigste Waffe von Abwärts – das demonstriert bereits der Name. Auch nach 25-jähriger Existenz sieht Spiritus Rector Frank Ziegert keinerlei Grund, seine Combo umzutaufen: „Es ist doch stetig bergab gegangen, der Name war also richtig gewählt.“ Nach sechsjähriger Kreativpause legen Abwärts jetzt wieder los, denn Anlass für Zynismus bieten Gesellschaft und Politik immer noch reichlich. Auf dem aktuellen Album „NuProp“ nimmt Ziegert die grassierende Terror-Paranoia, die Rückkehr der Religionen in die Politik, mediale Zuckerwatte wie stundenlange TV-Übertragungen von königlichen Hochzeiten und New- Economy-Geldvernichter aufs Korn. Er betrachte die Gesellschaft vom äußersten Rand aus, sagt er, „deshalb hoffe ich, dass sich meine Inhalte von all den anderen Ergüssen unterscheiden“. Texte und Musik stammen von ihm, die Produktion übernahm Multi-Instrumentalist Rodrigo Gonzales, sonst als Bassist der Ärzte tätig. „Abwärts kenne ich, seit ich Deutschpunkplatten höre“, erzählt der geborene Chilene. „Anfang der Achtziger kaufte ich von Slime ‚Wir wollen keine Bullenschweine‘ und ‚Amok/Koma‘ von Abwärts“, so Gonzales.
„Die sarkastischen Texte habe ich geliebt; Abwärts taten nie so, als hätten sie Lösungsvorschläge; sie waren nur ein zynischer Zerrspiegel von dem, was Status Quo war.“ Die Musik auf „NuProp“ ist ein Rückgriff auf die Zeit der legendären „Computerstaat“-EP, auf der Abwärts die Angst vor der Zukunft in monotone Maschinenmusik übersetzte. „Abwärts-Texte würden mit der Wanderklampfe nicht funktionieren. Zudem sind sie ziemlich giftig gesungen, also kann man da nur etwas Giftiges dazunehmen“, findet Rodrigo Gonzales. Für „Dead Presidents“ unterlegte Ziegert diverse Zitate von George W. Bush mit schroffem Rock. „Was sich da abspielt, ist eine globale Katastrophe. Ich hege die bösartige Vermutung, dass die Bush-Dynastie einen Privatkrieg gegen den Irak durchzieht. Wie der Zufall so spielt, haben wir zum ersten Golfkrieg auch schon ein Album veröffentlicht,’Comic Krieg‘. Was Bush Vater begonnen hat, setzt der Sohn fort. Die meisten seiner Berater sind im Ölgeschäft, das kann jeder sehen. Für mich ist das ein Hinweis auf eine katastrophale Situation.“


