Musik

A 45 music schickt Ballerman Records ins Rennen

Kommerzonkel ohne „Ficki-Bumsi-Lieder“

“Wir sehen in diesem Marktsegment auch in Zukunft noch Chancen, denn zu jeder Feier braucht man kein PC-Spiel und kein Handy, sondern Musik“, erklärt Reinhard Piel, Managing Director der 1999 gegründeten Firma A 45 music, dessen alleinige Leitung er vor einigen Monaten mittels Management-Buyout wieder von edel übernahm. Bereits 2001 gelang es Piel, die Musik-Rechte am „Ballermann“-Begriff zu erwerben, nachdem er bereits vor mehr als fünf Jahren mitbekam, dass eine „Schlacht um Namen und Rechte tobte“.

Nun ist A 45 seit dem vergangenen Herbst mit Ausnahme der „Ballerman Hits“-Kopplung von EMI Music Media exklusiver Partner für alle Tonträgerveröffentlichungen im Zusammenhang mit der eingetragenen Marke „Ballermann“. Diese veröffentlicht A 45 im edel-Vertrieb vorrangig über das dafür neugegründete Label Ballermann Records, wo auch Kopplungen unter dem Titel „Schinkenstrasse“ erscheinen – denn auch für diese eingetragene Marke, die von der gleichnamigen Straße auf Mallorca herrührt, ist A 45 exklusiver Lizenznehmer für den Tonträgerbereich. „Die Überlegung bei uns im Hause war, einen griffigen Begriff für Musikveröffentlichungen im Fun- und Spaß-Sektor zu finden. Und mit der Gründung von Ballermann Records ist dies dann gelungen“, erzählt Piel, der den Schlagermarkt in drei Segmente einteilt.

Im klassischen Schlager betätigt sich A 45 nicht und auch bei den „eher primitiven Ficki-Bumsi-Liedern“ sieht Piel weder größere Umsätze noch einen Label-Schwerpunkt oder eine „größere Zukunft“. Deswegen widmen sich Piel und sein Team der Musik, die fröhliche Party- und Freizeitstimmung ausdrückt, wie sie auf Mallorca, auf dem Oktoberfest, bei Après-Ski-Parties oder beim Karneval vorkommt. „Hier sehen wir langfristig sehr gute Chancen, denn man darf nicht vergessen, dass die exorbitanten Marketingkosten, die in anderen Segmenten anfallen sich hier noch relativ normal verhalten. Auch Videoclips sind nicht notwendig.“

Laut Piel läuft Partymusik zwar im heimischen Partykeller, aber nicht sehr gezielt. Und er gibt zu bedenken: „Aber es handelt es sich hier um eine Musik, die eben nicht auf allen Kanälen im Radio und im TV läuft, sondern um die sich die Hörer aktiv kümmern müssen. Dadurch ist der Prozentsatz des bewussten und gezielten Konsums zu bestimmten Gelegenheiten letztlich durch alle Ziel- und Altersgruppen hindurch recht hoch.“ Dabei hat Piel, der mit A 45 auch Dance-Musik auf den Markt bringt, kein Problem mit Glaubwürdigkeit: „Sobald man größere Stückzahlen verkauft, ist man nicht mehr credibel, sondern ein Kommerzonkel, und dazu bekenne ich mich gern. Positive Überschneidungen mit Dance gibt es trotzdem oder gerade deshalb, denn Parties haben nichts mit Alter zu tun. Und auf allen Party-Kopplungen finden sich immer wieder ursprünglich coole Songs, die den,Onkel“- Sprung geschafft haben – wie etwa Alcazar mit,Crying At The Discotheque““ oder,Lady“ von Modjo.“