Musik

20 Jahre Dissidenten: Zurück in die Zukunft

Die deutschen Weltmusikpioniere ziehen nach zwei Jahrzehnten unermüdlichen Schaffens im Dienste des globalen Pop eine erfrischende und gar nicht nostalgische Zwischenbilanz.

Seit einigen Wochen sind Louis und Luisa Josch ganz besonders stolz auf ihren Vater: Ausgerechnet die amerikanische HipHop-Diva Foxy Brown verwendet auf ihrem aktuellen Album, „Broken Silence“, ein Flöten-Sample von Friedo Josch. Der Klanghappen aus dem Stück „Rasaan Roland Kirk“ von Joschs früherer Band Missus Beastley bringt der deutschen HipHop-Jugend – und damit auch Joschs Sprösslingen – das Werk einer Gruppe nahe, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert und von Anfang an zu den Pionieren des Worldbeat zählte.

Zum Jubiläum erscheint am 20. August ein spezielles Remix-Album: „2001: A World Beat Odyssey“ dokumentiert den zeitlosen Reiz der Dissidenten-Musik auf eine Weise, die einerseits dem Status des Trios gerecht wird und andererseits auch in der internationalen Clubszene für Aufmerksamkeit sorgen wird. Denn es versammelt nicht einfach die Highlights aus zwei Jahrzehnten – stattdessen suchten sich befreundete DJs und Musiker aus dem reichhaltigen Œuvre ihre jeweiligen Lieblingsstücke aus, die sie neu abmischten und zum Teil auch gründlich umarbeiteten.

So nahm sich zum Beispiel der Wiener DJ Hans Kulisch zusammen mit seinem Studiopartner Stani Vana den „Morning Dance“ aus dem ersten Dissidenten-Album, „Germanistan“ (1981), vor und machte daraus eine fröhlich rhythmische indische Glanznummer. In London bearbeitete DJ Simbad alias P.L. Stanislas-Renouf das Titelstück des Albums „The Jungle Book“ (1992), und auch Peter Schwalm aus Frankfurt blieb mit den Dissidenten in Indien und lieferte eine neue Version von „All India Radio“ ab.

Mit „Open Up Your Eyes“ steuert Perkussionist Marlon Klein, der sonst im Studio die elektronischen Raffinessen der Dissidenten-Musik auskocht, einen bisher unveröffentlichten Track seines Projekts Path Of Rhythm bei, mit dem er „musikalisches Neuland zwischen Ethno und Elektronik kartographieren“ will. So belegt „2001: A Worldbeat Odyssey“ (Exil Musik/Indigo, CD: 0550-2) mit insgesamt zehn Tracks, dass die Dissidenten im Lauf der vergangenen zwei Jahrzehnte musikalisch oftmals ihrer Zeit voraus waren und gerade deshalb jetzt genauso aktuell wie eh und je klingen.

Josch, Müllrich und Klein, die sich einst von den Krautrockgruppen Embryo, Missus Beastly und Real Ax Band abspalteten, um ihre ureigene Fusion aus Rock, Jazz und Ethno zu entwickeln, gaben bereits 1984 mit dem internationalen Bestseller „Sahara Elektrik“ in der damals noch jungen Weltmusikszene den Ton an. „Im symbolträchtigen Jahr 2001 spielen wir nicht nur auf Stanley Kubricks Film an, sondern erlauben uns, dezent darauf hinzuweisen, dass wir unserer Zeit in den vergangenen 20 Jahren eigentlich immer voraus waren“, sagt Friedo Josch, der sich mit dem Dissidenten-Label Exil Musik auch um viele andere Weltmusik-Kollegen kümmert.

„Insofern ist der Titel des Jubiläumsalbums halb ironisch, halb programmatisch zu verstehen“, meint Josch. Und weil seine Flöte nun sogar den HipHop von Foxy Brown bereichert, ist der Stellenwert des Globetrotter-Trios jetzt auch im Freundeskreis seiner Sprösslinge beträchtlich gestiegen.