Auf Live Nation kämen nach dem Jury-Verdikt Schadensersatzzahlungen zu. Die Jury befand nach sechs ereignisreichen Prozesswochen, dass Ticketmaster den Ticketkäufern 1,72 Dollar pro Ticket zu viel berechnet habe. Diese Summe hatten die Kläger gefordert, ein Richter muss jedoch noch die tatsächliche Höhe des Schadensersatzes festlegen.
Nach der Verkündigung des Jury-Spruchs ist darüber hinaus noch offen, wie die weiteren Strafmaßnahmen ausfallen werden. Denkbar sind der Verkauf von Anteilen durch Live Nation sowie die Rücknahme der Fusion mit Ticketmaster aus dem Jahr 2010. In beiden Fällen wird Live Nation diese Schritte anfechten.
So betont Live Nation in einer ersten Stellungnahme: „Das Urteil der Jury ist nicht endgültig. Anhängige Anträge werden darüber entscheiden, ob die Haftungs- und Schadensersatzentscheidungen Bestand haben. Live Nation wird in Kürze den eigenen Antrag auf ein Urteil ohne Beweisaufnahme erneuern, dessen Entscheidung das Gericht bis nach der Urteilsverkündung der Jury vertagt hatte. Dieser Antrag umfasst alle Haftungstheorien. Das Gericht hatte zuvor darauf hingewiesen, dass der Antrag von Live Nation schwerwiegende Einwände aufwirft.“
Zudem liege ein Antrag auf Streichung der Schadensgutachten vor, auf denen die Entschädigungssumme der Jury beruhe, so Live Nation weiter. „Auch über diesen Antrag hat das Gericht die Entscheidung vertagt und dabei erhebliche Bedenken hinsichtlich der Analyse des Schadenssachverständigen geäußert. Selbstverständlich kann und wird Live Nation gegen jede für sie ungünstige Entscheidung in diesen Angelegenheiten Berufung einlegen.“
Konkret begründet Live Nation die Kritik an dem Jury-Spruch mit der Tatsache, dass der von der Jury kritisierte Aufschlag von 1,72 Dollar pro Ticket nur für eine begrenzte Anzahl von Tickets gelte – nämlich jene, die in 257 von Live Nation selbst betriebenen Veranstaltungsorten verkauft würden. Das betreffe etwa 20 Prozent aller von Ticketmaster verkauften Tickets – und beziehe sich nur auf durch Fans weiterverkaufte Tickets in bestimmten Bundesstaaten in den vergangenen fünf Jahren.
„Auf dieser Grundlage gehen wir davon aus, dass die Gesamtschadenssumme unter 150 Millionen US-Dollar liegen wird. Im Zusammenhang mit der Einigung mit dem US-Justizministerium hat Live Nation bereits 280 Millionen Dollar an Schadensersatz- und Strafansprüchen gegenüber den Bundesstaaten geltend gemacht“ erklärt der Live-Konzern.
Abschließend stellt Live Nation fest: „Über eine einstweilige Verfügung wird das Gericht entscheiden, nachdem die Bundesstaaten einen Lösungsvorschlag unterbreitet haben, den wir in den kommenden Wochen erwarten. In der Zwischenzeit werden die Verfahren zur Einigung mit dem US-Justizministerium fortgesetzt. Wir sind weiterhin zuversichtlich, dass das Endergebnis des Verfahrens der Bundesstaaten sich nicht wesentlich von dem der Einigung mit dem US-Justizministerium unterscheiden wird.“
Damit bezieht sich Live Nation auf den Umstand, dass bei dem Fall auf Bundesebene nur wenige Tage nach Prozessbeginn eine überraschende Einigung zustande kam, auch wenn diese weiterhin einer gerichtlichen Überprüfung unterliegt. Nach der Einigung auf Bundesebene mussten mehrere US-Bundesstaaten den Fall ohne die Unterstützung der Bundesregierung weiterführen.
Derzeit spekuliert die US-Veranstaltungswirtschaft, wie weitere Strafmaßnahmen aussehen könnten. So müsste nicht unbedingt der Gesamtkonzern Live Nation/Ticketmaster zerschlagen werden, wenn bestimmte Geschäftspraktiken gerichtlich beschränkt würden. Andererseits gibt es auch Stimmen, die fordern, dass man Live Nation die Tourneen entziehen müsse, da die Monopolisierung des Ticketmarktes nur durch die Entmachtung von Live Nation behoben werden könne.








