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Fachbesucherzahl auf der Reeperbahn wächst

Nach 5000 Delegierten im Vorjahr meldet das Reeperbahn Festival in diesem Jahr 5500 – ein Plus um zehn Prozent. Insgesamt rund 45.000 Besucher:innen nutzten vom 16. bis 19. September 2026 ein Programmangebot mit rund 540 Konzerten (davon 260 kuratiert) von etwa 425 Acts (davon kuratiert 231) aus 44 Ländern.

Zieht man die Fachbesucherzahl von der Gesamtzahl ab, so ergibt sich eine Summe von 39.500 – nach 38.000 im Vorjahr ein leichter Zuwachs um vier Prozent. Ergänzt wurde das Musikprogramm durch das Arts & Word-Programm mit rund 30 Veranstaltungen, darunter Lesungen, Live-Podcasts, Kunstausstellungen und geführte Touren. Das diesjährige Konferenzprogramm hielt rund 120 Programmpunkte mit etwa 420 internationalen Speakern aus 31 Nationen für die rund 5500 Fachbesucher:innen aus 52 Nationen bereit.

Das frei zugängliche Festival Village auf dem Heiligengeistfeld verzeichnete rund 45.000 Besucherinnen aus Festivalpublikum und spontan Interessierten und bot mit Überraschungs-Konzerten von Newcomerinnen Yung Pepp und Kayla Shyx am Reeperbahn-Mittwoch, Tanzperformances der Contemporary Dance School Hamburg sowie dem Auftritt von Jan Delay gemeinsam mit den Delaydies am Donnerstag auch in diesem Jahr mehrere Live-Performances. Zudem beheimatete das Festival Village erneut die Graphic-Poster-Ausstellung Flatstock, die in diesem Jahr 20. Reeperbahn Festival-Jubiläum feierte. Das Reeperbahn Festival selbst zelebrierte seine 21. Ausgabe.

Auch auf dem Spielbudenplatz zog das kostenfreie Programm laut eigenen Angaben tausende Besucher:innen an. Beim N-Joy Reeperbus, dem hvv Bus und der Spielbude XL standen unter anderem Udo West, Okashii und She Her Her Hers auf der Bühne. Die Keychange-Quote betrug in diesem Jahr 53Prozent männliche und 47 Prozent FLINTA-Musiker*innen im kuratierten Programm.

Programmkooperationen umfassten in diesem Jahr die Partnerkonferenzen Music Frontiers x Reeperbahn Festival, als Schnittstelle zwischen technischer Innovation und Musikwirtschaft, Sustain! für Nachhaltigkeitsthemen sowie die Afro Futuristic Convention x Reeperbahn Festival. Letztere setzt sich unter anderem für verbesserte Lebensbedingungen und sicheren Zugang zu Trinkwasser auf dem afrikanischen Kontinent ein, wie durch das Projekt Yunomi der Aktivistin und Musikerin Onejiru Arfmann.

Der inhaltliche Fokus von Festival und Konferenz lag in diesem Jahr auf der stärkeren Einbeziehung jüngerer Generationen, die mit ihren Ausgeh-, Hör- und Kaufentscheidungen die Musik- und Kreativwirtschaft von morgen bereits heute prägen. „Daran knüpfte auch das Leitthema „Forever Legit?“ an, das in zahlreichen Programmpunkten beleuchtete, wie die Legitimität der Strukturen der Musikindustrie angesichts gesellschaftlicher, demografischer und technologischer Umbrüche immer wieder neu verhandelt werden muss, um zukunftsfähige und nachhaltig tragfähige Geschäftsmodelle zu ermöglichen“, heißt es aus Hamburg.

Wie in jedem Jahr habe im Zentrum jedoch das Entdecken vielversprechender Nachwuchsmusiker*innen und das verbindende Element des gemeinschaftlichen Live-Erlebnisses gestanden. Besonders deutlich wurde dies beim internationalen Musikpreis Anchor: Die international besetzte Jury um Songwriterin Jerry Heil Produzentin und Songwriterin Oklou, Sängerin Domiziana sowie dem Produzenten Sega Bodega besuchte am Mittwoch und Donnerstag die Konzerte der sechs Nominees Dov’è Liana, Just For Fun, Big Wett, Sonic Interventions, Nectar Woode und Ganna.

Am Freitagabend wurde im St. Pauli Theater schließlich eine ukrainische Künstlerin zur Gewinnerin gekürt, „die die gesamte Jury sowie ihr Publikum mit ihrer Performance nachhaltig berührt hat“, teilt das Reeperbahn Festival mit. „Ganna überzeugte mit ihrer außergewöhnlichen Bühnenpräsenz und vor allem ihrer Musik, die aus traditionellen Folk-Einflüssen ihrer Heimat und modernen Beats etwas völlig Neues entstehen lässt.“

Mit dieser Auszeichnung habe die Ukraine als erstes Guest Country of Honour des Reeperbahn Festivals einen überraschenden weiteren Höhepunkt erhalten. In den Tagen davor präsentierte die Ukraine die Musikwirtschaft sowie zahlreiche Talente ihrer Heimat, die auch unter widrigsten Umständen enorme kreative Resilienz zeigen und als Vorbild und Inspiration für das Musikökosystem in Europa und der Welt zu betrachten sei.

„Die diesjährige Ausgabe unterstrich erneut die Bedeutung des Reeperbahn Festivals als internationale Plattform, deutsche und europäische Künstlerinnen, Unternehmen und Institutionen mit Partnerinnen aus aller Welt zu vernetzen, relevante Diskussionen in Gang zu setzen und auf diese Weise aktiv an der Gestaltung der Musikwirtschaft von morgen mitzuwirken“, resümiert die veranstaltende Gesellschaft RBX.

Die Receptions und Partys fanden von Mittwoch bis Samstag statt, größtenteils parallel zum Konferenzprogramm und den Live-Auftritten in den Clubs oder Open Air. Am Samstag hingegen gab es hingegen kaum noch offizielle Programmpunkte für das Fachpublikum, sodass Zeit blieb, sich das Clubprogramm anzuschauen.