Seit Jahren wehrt sich die Entertainmentbranche gegen die anhaltenden Urheberrechtsverletzungen in Russland. Aber mit dem Einlenken der USA scheint die letzte Hürde genommen: der Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO. Moskau werden dabei jedoch Garantien abverlangt.
Ob diese allerdings zur einer Besserung der Situation führen werden, bleibt abzuwarten. „Alles Weitere liegt nun allein in den Händen der russischen Behörden“, erklärte RIAA-Chef Mitch Bainwol. „Russland weiß genau, welche Maßnahmen nun ergriffen werden müssen, bevor der WTO-Beitritt abgeschlossen wird. Ab jetzt zählen nur noch Taten statt Worte“, so der President & CEO des US-Tonträgerverbands.
Ein Rahmenvertrag zwischen Russland und den USA soll voraussichtlich in der kommenden Woche bei einem Gipfel in Hanoi unterzeichnet werden. Die Vereinigten Staaten war bis vor Kurzem das einzig verbliebene WTO-Mitglied, das sich gegen einen Beitritt Russlands gewehrt hatte. Seit sich der Streit zwischen Moskau und Tiflis verschärft hat, blockiert auch Georgien den Antrag Russlands auf Aufnahme in die 149 Staaten umfassende Handelsorganisation.
Die US-Handelsvertreterin Susan Schwab erklärte, ihr Büro habe mit Russlands Handelsminister German Gref einen Aktionsplan ausgearbeitet, dessen Umsetzung die Voraussetzung bilde für eine Beitrittszustimmung des US-Kongresses. Moskau habe verbindlich zugesagt, gegen illegale Presswerke, Onlinepiraten und organisierte Raubkopierer vorzugehen. Die Strafverfolgung soll intensiviert, die Grenzkontrollen verschärft und die Strafen für Urheberrechtsverstöße erhöht werden. Alles Forderungen, die die Musik- und Filmindustrie schon seit Jahren stellen.
Russland ist nach China der zweitgrößte Piratenherd der Welt. Seit 1996 hat sich nach Erkenntnissen des Filmverbands MPAA die Zahl der Presswerke, die illegale CDs und DVDs herstellen, von zwei auf 47 erhöht. Und selbst die Fabriken, die von den Behörden gefilzt wurden, kamen mit geringen Strafen davon und sind weiterhin in Betrieb. Allein die MPAA-Mitglieder verloren nach Verbandsangaben in den letzten fünf Jahren 1,3 Milliarden Dollar an Umsätzen an die russischen Raubkopierer. In dieser Zeit sei Russland auch zur Heimat von Onlinepiraten wie AllOfMP3.com geworden, so Bainwol. Zu lange habe die Gleichgültigkeit der Regierungen in Moskau für Einbußen bei westlichen Firmen gesorgt. „Wir können nur hoffen, dass wir nun den Wendepunkt in dieser Geschichte erreicht haben.“





