Der Kampf der Musik- und Filmindustrie gegen studierende Filesharer stößt in eine neue Dimension vor. Der US-Branchenverband RIAA verklagt nun 405 Studenten an 18 verschiedenen Bildungseinrichtungen, die über das universitäre Hochgeschwindigkeitsnetz Internet2 Musik getauscht haben. Auch die Motion Pictures Association of America kündigte für diesen Mittwoch eine nicht näher bezifferte Anzahl von Klagen an, die sich gegen Studenten von sieben Universitäten richten. Bei dem Netzwerk Internet2 handelt es sich um ein geschlossenes System, zu dem nur Profis, Forscher und Studenten Zugang haben. Die Verbindungsgeschwindigkeiten und Bandbreiten im Internet2 sind mit nichts zu vergleichen, was Otto-Normalverbrauchern derzeit mit DSL zur Verfügung steht. Unter bestimmten Voraussetzungen können im Internet2 Spielfilme in bester Qualität in weniger als einer Minute heruntergeladen werden. Der Download von Alben dauert nur wenige Sekunden.
Die verdächtigten Studenten hätten laut RIAA im Durchschnitt 2300 Songs illegal bereit gestellt. Bei einigen sollen es sogar bis zu 13.600 Titel gewesen sein. Insgesamt spürten die Ermittler der RIAA 930.000 nicht zum Tausch lizenzierte Musikdateien auf, zusammen mit den entdeckten Video- und Software-Files betrug der Umfang der illegalen Ware 1,5 Mio. Dateien. Diese wurden über die Applikation i2hub von Rechner zu Rechner transferiert. Man habe zwar an 140 weiteren Universitäten und Colleges in 41 US-Bundesstaaten Beweise für illegales Filesharing im Internet2 entdeckt, wolle sich zunächst jedoch auf die Strafverfolgung der 405 Fälle beschränken, erklärte die RIAA. Die Präsidenten der anderen Schulen hätten schriftliche Warnungen der RIAA erhalten, die sie über die Vorgänge aufklären sollen.
Die amerikanische Musikindustrie hat in der Vergangenheit versucht, mit Hilfe des Campus Action Network und auf Druck des Joint Committee of the Higher Education and Entertainment Communities, Universitäten mit subventionierten kommerziellen Downloaddiensten zu versorgen. Inzwischen sind mehr als 40 Unis Teil dieses Umerziehungsprogramms, das Studenten den Zugang zu Angeboten wie Napster, Rhapsody, Ruckus, Cdigix oder iTunes zu stark vergünstigten Konditionen ermöglicht. „Wir dürfen nicht zulassen, dass das zügellose Downloaden im Internet2 unsere gemeinschaftliche Arbeit gefährdet“, sagte RIAA-President Cary Sherman. „Wir können nicht dulden, dass dieses Hochgeschwindigkeitsnetz eine gesetzesfreie Zone wird.“
Das will auch Doug Van Houweling nicht. Der President & CEO der University Corporation for Advanced Internet Development (UCAID), die hinter der Entwicklung des Internet2 steht, erklärte, man unterstütze und dulde illegales Filesharing nicht: „Die enorme Leistungsfähigkeit unseres Netzes ermöglicht natürlich viele Nutzungsarten, nicht nur Filesharing.“ Van Houweling warnte jedoch vor Aktionismus: Filtersysteme würden dem Pilotprojekt nur schaden. Der Highspeed-Experte wundert sich jedoch, wie die RIAA den mutmaßlichen Missetätern auf die Schliche gekommen ist. „Wir haben niemandem Sonderzugänge gewährt. Wir wissen also nicht, wie diese Organisationen an ihre Informationen gekommen sind.“
Die RIAA lässt sich natürlich nicht in die Karten kucken, beteuert jedoch, legal vorgegangen zu sein. Unter den betroffenen Unis befinden sich so bekannte Institute wie das MIT, Princeton, die Columbia Universität in New York, Harvard, Georgia Tech oder die University of California-Berkeley.





