Kino

Peter Gerlach seit 50 Jahren im Berufsleben

Gelernt hat Peter Gerlach zunächst das Verkaufen, später das „Fernsehmachen“. Dass er in seiner Fernsehkarriere unzählige Quotenhits von „Die Schwarzwaldklinik“ über „Das Traumschiff“ und „Wetten, dass…?“ bis „Kommissar Rex“ auf den Weg gebracht hat, bezeichnet er heute als „unerhörtes Glück“.

Als Peter Gerlach 1952, also vor 50 Jahren, eine Lehrstelle in der Nähe von Dresden antrat, deutete noch nichts darauf hin, dass er einmal einer der wichtigsten und einflussreichsten Männer der deutschen Fernsehunterhaltung werden würde. Doch gleich nach dem Verkaufen lernte Gerlach das Fernsehgeschäft – und zwar von der berühmten „Pike“ auf. Er beginnt als Hilfsaufnahmeleiter bei der UFA Fernsehproduktion, arbeitet sich dort zum Leiter des Herstellungsbetriebes hoch und wechselt schließlich zum ZDF. Genau 20 Jahre nach seinem Start ins Berufsleben übernimmt Gerlach dort die Leitung der Hauptredaktion Unterhaltung, später die Stelle des stellvertretenden Programmdirektors. Gerlach wird Gesellschafter beziehungsweise Geschäftsführer der Fernsehproduktionsgesellschaften Terranova Film, novafilm und ndFund arbeitet ein Jahr lang als geschäftsführender Programmdirektor bei SAT.1.

Heute ist Gerlach Berater verschiedener Produktionsgesellschaften, unter anderem von Endemol, Studio Hamburg, novafilm sowie NDF, und lehrt an der Universität Hamburg. Als Professor versuche er seine Erfahrungen den jungen Menschen weiterzugeben, sagt Gerlach, und ihnen „einen Weg zu skizzieren, wie man’s richtig macht“. Und wie macht man’s richtig? Für Peter Gerlach bieten gute Fernsehprogramme stimmige Stories und starke Charaktere und „transportieren immer so etwas wie Autorität“. Das Publikum schaue eben gerne auf. „Wir brauchen alle unsere Helden“, erklärt der Mann, der Quotenrenner wie „Die Schwarzwaldklinik“, „Liebling Kreuzberg“ oder „Kommissar Rex“ auf den Weg gebracht hat. Die Fähigkeit eines „Liebling Kreuzberg“ beispielsweise, die Suche nach dem Recht auch immer mit der Suche nach Gerechtigkeit zu verbinden, habe ihm die Herzen des Publikums zufliegen lassen, erläutert der TV-Berater. „Das sind die Tricks, mit denen man gutes Programm macht.“

Im Gegensatz zu vielen anderen altgedienten Fernsehmachern versteht Gerlach das Schielen der heutigen Programmchefs auf die Einschaltquoten dabei durchaus. „Einschaltquoten sind wichtig und waren zu allen Zeiten wichtig. Man kann nicht vom Massenmedium Fernsehen reden und sich dann nicht für die Masse interessieren“, sagt er. Auch er habe sich stets nach den Einschaltquoten gerichtet, selbst wenn das anfangs als „wenig schicklich“ gegolten habe. Andererseits könne es aber nicht sein, dass in beinahe allen Funkhäusern die Qualität eines Programms ausschließlich nach den erzielten Marktanteilen beurteilt werde. Ergebnis sei ein „beklagenswerter Einheitsbrei, der sich auf das Publikum ergießt“. Zu wenig „Spitzmarken“ im Stile der ARD-Serie „Julia“ mit Christiane Hörbiger ragten heraus. „Die Helden sind auf der Strecke geblieben“, konstatiert Gerlach etwas resigniert.

Positiv sieht er „die Hinwendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zum Dokumentarischen“ von der zeitgeschichtlichen über die Kultur- bis hin zur populärwissenschaftlichen Dokumentation: „Das ist vorzüglich gemachtes Programm und auch für mich immer eine Adresse“, lobt der Experte. Möglicherweise spornt der von Gerlach mit initiierte Deutsche Fernsehpreis die TV-Verantwortlichen dazu an, mehr Formate nach seinem Geschmack ins Programm zu nehmen. „Wir wollten in der Inflation der Preise und Prämierungen den Leuchtturm schaffen, den alle anstreben“, erklärt der Professor seine Intention. „Der Deutsche Fernsehpreis sollte irgendwann ganz und gar erstrangig sein. Das ergibt sich – oder ergibt sich nicht – aus der Kompetenz seiner Urteile.“ Einige der diesjährigen Nominierungen kann Gerlach deshalb nicht ganz nachvollziehen: „Dort, wo bei geldgierigen Menschen Dollarzeichen in den Augen blitzen, stehen bei mir große Fragezeichen.“

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