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Nach dem P2P-Urteil ist vor dem P2P-Urteil

Zwei Tage nach dem Richterspruch des US Supreme Court, das den P2P-Anbietern Grokster und StreamCast eine Haftungspflicht für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer bescheinigte, sind die Reaktionen auf das Urteil noch gemischt. Während die Entertainmentbranche von einem Sieg im Kampf gegen Onlinepiraterie spricht, sehen sich einige Technologiefirmen in ihrer Position gestärkt.

Auch zwei Tage nach dem Richterspruch des US Supreme Court, das den P2P-Anbietern Grokster und StreamCast eine Haftungspflicht für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer bescheinigte, sind die Reaktionen und Analysen zum Urteil noch gemischt. Während die Entertainmentbranche von einem Sieg im Kampf gegen Onlinepiraterie spricht, sehen sich einige Technologiefirmen in ihrer Position gestärkt. Am illegalen Dateientausch im Internet wird das Urteil jedenfalls nichts ändern. Denn eines geht aus dem Urteil der obersten US-Richter klar hervor: P2P-Anwendungen sind nicht illegal. Das Gericht machte für den Haftungsanspruch der Rechteinhaber ausschließlich die Anstiftung von Grokster und StreamCast zum Urheberrechtsbruch verantwortlich.

Die nun zuständigen niederinstanzlichen US-Gerichte müssen nun darüber befinden, inwieweit diese Anstiftung im Einzelfall nachzuweisen ist. „Dieses Urteil besagt, dass man möglicherweise haftbar ist, wenn man illegales Downloaden aktiv bewirbt“, erklärt Jennifer Urban, Rechtsexpertin für geistiges Eigentum an der University of Southern California. „Nun müssen wir herausfinden, was genau das bedeutet.“ Laut Urban könnten die nun bevorstehenden Prozesse Jahre dauern. „Wir werden nachweisen, dass Morpheus Copyright-Vergehen nicht fördert oder dazu ermutigt, das Urheberrecht zu brechen“, gibt sich StreamCast-Chef Michael Weiss zuversichtlich. Und obwohl KaZaA gar nicht Gegenstand der aktuellen Debatte in den USA war, erhielt Weiss umgehend moralischen Beistand aus Australien: Alan Morris, Executive Vice President des KaZaA-Vertriebs Sharman Networks, ließ wissen, das Urteil sei eine gute Gelegenheit für das juristische System, eine Rechtfertigung für Sharman zu finden. Der nun folgende erneute juristische Schlagabtausch werde bestätigen, dass Sharman mit KaZaA nie zur Piraterie angestiftet hat. „Wir haben sogar diverse Maßnahmen eingeleitet, um unsere Nutzer von der Verletzung der Urheberrechte abzubringen“, beteuert Morris. „Zudem haben wir bei den Rechteinhabern mehrfach nach Lizenzen angefragt und wurden immer wieder abgewiesen.“

Manche Beobachter zweifeln jedoch daran, dass das anhaltende Kräftemessen zwischen Technologiefirmen und Unterhaltungsindustrie am eigentlichen Problem der Onlinepiraterie etwas ändern wird. Weltweit sind mehr als 200 Mio. P2P-Clients in Benutzung. Selbst wenn die Gerichte in den USA einigen P2P-Entwicklern den Vertrieb ihrer Software untersagen sollten, können die bereits aktiven Filesharer ihre Programme weiterhin nutzen. „Die Menschen, die Piraten sind und weiter illegal downloaden werden, betrifft dieses Urteil überhaupt nicht“, befindet Forrester-Analyst Josh Bernoff. Und für Marktforscher Eric Garland, CEO von BigChampagne, ist nach dem Urteil nur eines sicher: „Es wird nun noch mehr Verwirrung, noch mehr Rechtsstreitigkeiten und noch viel mehr Urheberrechtsverletzungen im Onlinebereich geben. Es liegt noch ein langer Weg vor allen Beteiligten.“ Am deutlichsten bringt es Branchenkritiker Bob Lefsetz auf den Punkt: „Die Branche hat die Schlacht gewonnen und den Krieg verloren.“

Dennoch erwarten nun fast alle Insider – ob Branchenvertreter oder P2P-Revolutionäre – einen Schub für legale, lizenzierte Angebote. „Wir glauben, das Urteil ist gut für Apple“, meint Steve Jobs knapp, und Rob Glaser von RealNetworks ist froh, dass die hohen Richter mit diesem sehnsüchtig erwarteten Urteil „das Kind nicht mit dem Bade ausgeschüttet haben“. Vor allem die derzeit in Erprobung befindlichen reglementierten P2P-Systeme erhoffen sich durch den Richterspruch mehr Rückhalt. „Diese Entscheidung räumt eine große Hürde für uns aus dem Weg“, erklärte Greg Kerber, Chef der Firma Wurld Media, die den Tausch-Shop Peer Impact betreibt. „Das ist ein fantastischer Schub für uns“, findet auch Wayne Rosso, dessen Firma Mashboxx demnächst die erste legalisierte P2P-Applikation für den Markt öffnen will. „Unterm Strich werden die Kunden sich jetzt einfach daran gewöhnen müssen, dass sie für Musik zahlen müssen. Punkt.“

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