Kulturpessimisten wussten es schon immer, nun bekommen sie Rückendeckung von einer konservativen US-Elternvereinigung: Das Programm von MTV besteht überwiegend aus Abschaum und Schmutz. Für das Parents Television Council (PTC) steht fest: Der vermeintliche Musiksender verroht die Sitten. Eine Programmanalyse des PTC führte nun zu der Studie „MTV Smut Peddlers“, in der die Sittenwächter nachweisen, dass MTV innerhalb von 171 Programmstunden 3056 Mal nackte Tatsachen gezeigt hat und dabei 2881 Mal sexuelle Anzüglichkeiten zu hören waren. Der Sender habe sich offenbar entschlossen, den „kleinsten gemeinsamen Geschmacksnenner“ zu bedienen, resümiert PTC-President Brent Bozell.
Und er bringt anschauliche Beispiele: In einer Folge von „One Bad Trip“ wurde eine Frau zum Eisbecher, von dem Männer Schlagsahne abschleckten – mit Kirschen an der dazu passenden Körperstelle. Eine Episode von „Spring Break Fantasies“ zeigte indes fünf Frauen in Badeanzügen, die einen Mann mit Sonnenöl einmassierten – sie benutzten dazu mehr als nur ihre Hände. Doch der Niveaulimbo beschränke sich nicht nur auf körperliche Freizügigkeiten, so das PTC, und machte darüber hinaus ein Übermaß an sprachlicher Vulgarität aus. 3127 Mal musste in der untersuchten Programmwoche ein „Beep“ verhindern, dass Zuschauer mit Obszönitäten oder Flüchen belästigt werden.
Im Vergleich mit Sendern, die sich an die breite Allgemeinheit richten und nicht an eine jugendliche Zielgruppe, sind auf MTV rund dreimal so viele Beanstandungen festzustellen, bilanzierte das PTC. Beim Sender selbst findet man sich hingegen ungerecht behandelt: MTV bediene zum einen den Geschmack seines Publikums und sende sehr wohl auch respektable, verantwortungsbewusste und aufklärerische Programme. Zum anderen habe sich das PTC ausgerechnet die „Spring Break“-Woche für seine Untersuchung ausgesucht, in der naturgemäß der MTV-Zielgruppe nun mal der Sinn eher nach Fleischlichem stehe.






