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Google will YouTube

Goldgräberstimmung im Web 2.0: Medienberichten zufolge will Google bis zu 1,6 Milliarden Dollar für die Übernahme von YouTube hinblättern. Damit wären die 580 Mio. Dollar, die Rupert Murdoch im letzten Jahr für MySpace gezahlt hat, ein Schnäppchen gewesen.

Goldgräberstimmung im Web 2.0: Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge will Google bis zu 1,6 Milliarden Dollar (1,27 Milliarden Euro) für die Übernahme des Videostreaming-Portals YouTube hinblättern. Damit wären die 580 Millionen Dollar, die Rupert Murdoch im letzten Jahr für MySpace gezahlt hat und die von vielen Beobachtern als Mondpreis beurteilt wurden, aus heutiger Sicht ein wahres Schnäppchen.

Die Wirtschaftszeitung beruft sich bei ihrer Meldung auf anonyme interne Quellen, die von Verhandlungen „in einer sensiblen Phase“ berichten. Entschieden sei demnach nichts, die Gespräche könnten auch noch platzen. Der gerade einmal 29-jährige YouTube-Gründer und -CEO Chad Hurley hatte zuletzt öfter durchblicken lassen, dass er mit einem Börsengang liebäugelt. Einen Verkauf schloss er aber nie aus.

Erst vor gut zwei Wochen wurde bekannt, dass Yahoo! an der Social-Networking-Plattform Facebook interessiert ist und angeblich bis zu eine Milliarde Dollar dafür ausgeben will. Sollte der Deal zwischen Google und YouTube tatsächlich zustande kommen, wäre es einer der größten Zukäufe für die Suchmaschinenbetreiber. Allerdings auch einer, der leicht zu finanzieren wäre: Nach dem ersten Halbjahr wies Google eine Barschaft von knapp zehn Milliarden Dollar in seiner Bilanz aus.

YouTube wurde erst im Februar 2005 gegründet und ist heute der mit Abstand führende Videosharing-Dienst im Internet. Täglich werden von den Nutzern rund 100 Millionen Streams abgerufen – kostenlos und werbefinanziert. Die monatlich rund 32 Millionen Zuschauer (Unique Visitors) sind dabei gleichzeitig Inhaltelieferanten: Pro Tag werden derzeit mehr als 65.000 Filmchen auf die YouTube-Server hochgeladen. Im August verbuchte die Firma damit 46 Prozent aller Besuche bei US-Onlinevideodiensten. MySpace kam derweil auf 23 Prozent und Google Video war mit zehn Prozent weit abgeschlagen.

Genau diese Entwicklung ist eine der größten Sorgen für YouTube. Derart viele Videoabrufe verursachen immense Serverkosten, die alleine durch Werbeerlöse auf Dauer nicht gedeckt werden können. Zudem lässt sich nur unzureichend verhindern, dass bei den Uploads der Nutzer keine Urheberrechte verletzt werden. Universal Music hatte der jungen Firma deshalb kürzlich mit juristischen Schritten gedroht. Warner Music indes versuchte, sich mit einem Lizenzdeal die viralen Marketingmöglichkeiten der Website zunutze zu machen.

Die rechtlichen Fragen dürften eine entscheidende Rolle bei den künftigen Plänen von YouTube spielen. Zudem wird ein Risikokapitalgeber ein Wörtchen mitreden wollen: Sequoia Capital. Die Investmentfirma ist der bislang einzige Finanzier, sie hat Hurley und seinen beiden Mitgründern – ehemalige Kollegen aus eBay-Zeiten – 11,5 Mio. Dollar Startkapital gewährt.

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