Albert Frère, reichster Mann Belgiens und derzeit größte Sorge der Bertelsmann-Spitze, werde sich sein Viertel am deutschen Medienkonzern lieber abkaufen lassen als es an der Börse zu versilbern, meinen Beobachter. Die IPO-Ankündigung des Chefs der Groupe Bruxelles Lambert (GBL) ist nach Ansicht von Analysten lediglich Teil eines Pokerspiels, das den Preis hochtreiben soll.
Das öffentliche Hickhack um die Zukunft der 25,1 Prozent der Bertelsmann AG, die in Besitz der GBL sind, führte zuletzt sogar dazu, dass die sonst eher medienscheue Vorsitzende der Bertelsmann-Stiftung und Aufsichtsrätin Liz Mohn ein Interview gab, in dem sie beteuerte, dass sowohl ein Börsengang der GBL-Anteile als auch ein Rückkauf die Zukunft von Bertelsmann sichern würden. Der Mohn-Familie gehe es nur darum, eine Dreiviertelmehrheit des Konzerns zu halten.
Dies bedeutet allerdings auch, dass Bertelsmann einen IPO der GBL-Anteile nicht stützen würde und damit entstünde unter Umständen ein wenig optimistisches Marktklima für Frères Pläne. Hans D’Haese von der Banque Degroof erklärte gegenüber Reuters: „Das ist wie ein Pokerspiel und Frère verhandelt gerade über den bestmöglichen Preis. Und weil die Mohns einen IPO fürchten, wird er wohl einen besseren Preis bekommen.“
Diese Ansicht teilt auch Tom Simont von KBC Securities: Frère gehe es nur um das Geld. Ob er die Höchstsumme dabei durch einen Börsengang oder durch einen Verkauf an Bertelsmann erzielt, sei nachrangig. Viel entscheidender sei in den kommenden Wochen die Frage, ob die GBL bereits ein neues Investitionsziel für die Bertelsmann-Milliarden hat. Zuletzt hat Frères Firma seine Anteile an den Baumaterialfirmen Lafarge und Imerys aufgestockt.






