Zwei Phononauten im musikwoche.de-Gespräch

Ein Ziel der im Sommer gestarteten Kampagne musicENTERtainment des Bundesverband Phono war, die Musikbranche gegenüber Außenstehenden transparent zu machen. Anfang März gaben mehrere Plattenfirmen insgesamt 16 Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Chance, ein Praktikum zu absolvieren. musikwoche.de fragte zwei dieser Phononauten nach ihren Erfahrungen.

musikwoche.de: Warum haben Sie sich als Phononauten beworben?

Nadia Schneider: Für mich bot sich die interessante Möglichkeit, in das Musikbusiness reinzuschnuppern und vielleicht erste Schritte in meine berufliche Zukunft zu tätigen.

Patrick Jedam: Ich bin durch Zufall über die MTV-Website auf das Projekt aufmerksam geworden. Da ich mich stark für Musik interessiere, habe ich mich beworben.

mw: Mit welchen Erwartungen sind Sie an die Phononauten-Tätigkeit herangegangen?

Nadia: Ich wollte auch den Umgang mit technischen Geräten lernen, beispielsweise mit Kameras oder dem Internet. Natürlich wollte ich auch interessante Menschen treffen und meine Vorstellungen von der Musikindustrie überprüfen.

Patrick: Mein Interesse an Musik einzubringen und Leute kennenlernen – das waren meine Vorstellungen. Spezielle branchenspezifische Erwartungen hatte ich keine.

mw: Was waren Ihre Aufgaben als Phononauten bei Four Music beziehungsweise Sony Music?

Nadia:Wir haben bei Four Music einen Film über die Mitarbeiter der Plattenfirma gedreht, den wir dann ins Internet gestellt haben. Dort sind auch unsere Berichte und Texte veröffentlicht. Ansonsten haben wir geholfen, wo wir konnten. Unter anderem waren wir dem Four-Music-Team behilflich bei der Versendung der Pressepromos. Ich durfte auch bei einem Interview dabei sein, dass Thomas D. der Zeitschrift Prinz gab.

Patrick: Bei Sony hatten wir uns jeden Tag um ein Titelthema zu kümmern. Wir mussten Informationen zusammmen tragen und Berichte und Filmclips für die Internetseite anfertigen. Die Themen orientierten sich an Konzerten und Interviews von Sony-Künstlern.

mw: Haben Sie dabei auch Stars getroffen? Wie war der Kontakt zu den Chefs der Plattenfirmen?

Nadia: Bei Four Music sind die Fantastischen Vier ein und aus gegangen. Ihnen gehört die Firma ja auch. Ich war bei der Goldverleihung für ihr Unplugged-Album dabei. Ein Highlight war natürlich die Echo-Verleihung.

Patrick: Ich durfte bei verschiedenen Terminen unter anderem Ricky Martin, Uncle Ho und Crazy Town treffen. Höhepunkt waren die Mädels von Destiny“s Child, mit denen ich auf ihrem Hotelzimmer sein durfte, als sie Interviews gaben. Mit Sony-Verantwortlichen wie Jörg Hacker oder Uwe Lerch gab es reichlich Kontakt.

mw: Welches Bild hatten Sie vor diesem Job von der Musikindustrie? Wurden eventuell vorhandene Klischees bestätigt?

Nadia: Ich hatte weniger eine Vorstellung von der Industrie als vielmehr von den Musikern selbst, nämlich dass die Künstler nicht Herr ihrer Lage sind und viel aus dem Hintergrund heraus gepusht wird. Wie der Umgang bei den großen Firmen ist, kann ich nun nicht beurteilen. Bei Four Music aber handelt es sich um einen speziellen Fall, denke ich.

Patrick: Ich wusste ungefähr, was mich in dieser Branche erwarten würde, da ich durch meine Freizeitaktivitäten und durch Freunde, die bei Musikfirmen arbeiten, bereits einigermaßen informiert war. Insofern gab es für mich auch keine Überraschungen.

mw: Welche Eindrücke positiver oder negativer Art nehmen Sie aus dieser Arbeit mit? Hat sich Ihre Einstellung gegenüber der Musikindustrie verändert?

Nadia: Es war insgesamt ein interessanter Einblick ins Business. Am meisten freue ich mich, dass ich Thomas D. kennen lernen durfte. Die Echo-Verleihung war dagegen ein bisschen desillusionierend. Da wird deutlich, wieviel Hype insgesamt um die Stars gemacht wird. Und wenn man sie dann trifft, ist alles halb so wild und auch ein ganz normaler Umgang möglich.

Patrick: Meine Einstellung hat sich verfestigt. Die Menschen in den Plattenfirmen arbeiten viel. Man muss viel Kreativität einfließen lassen, flexibel agieren und seine eigene Meinung vertreten können. Es ist schon anstrengend, da kein Leerlauf in der Arbeit entsteht.

mw: Haben Sie nach diesen ersten Praxiserfahrungen noch den Wunsch, im Musikgeschäft beruflich tätig zu sein?

Nadia: Ich würde auf jeden Fall gerne in diesem Bereich arbeiten. Es ist aber nicht ganz einfach, hier Fuß zu fassen, auch wenn es viele Quereinsteiger gibt.

Patrick: Seit meinem elften Lebensjahr hege ich den Wunsch, im Musikgeschäft zu arbeiten. Insofern sind die Phononauten vielleicht ein guter Einstieg.