Zur Bedeutung nationaler Produktionen im Radio: Nachgefragt bei Jens-Markus Wegener

Auf der Tagung des Deutscher Musikverleger-Verband (DMV) in Königswinter stellte Jens-Markus Wegener, Geschäftsführer und Inhaber des Alster Musikverlags, in seiner Eigenschaft als Leiter des Ausschusses für Hörfunk- und Fernsehfragen beim DMV, eine GEMA-Auswertung zu Radiofragen vor. Demnach spielen die Hörfunkanstalten immer weniger nationale Produktionen: Der Auslandsanteil bei den Sendern liegt zwischen 60,96 bis zu 81,46 Prozent. MUSIKWoche fragte nach, welche Schritte der DMV dagegen einleiten wird.

MUSIKWoche: Welche Ergebnisse brachte die GEMA-Studie?

Jens-Markus Wegener: Der Anteil deutscher Produktionen ist in den letzten drei Jahren beständig zurückgegangen. Unser Anliegen beim DMV ist es, diesen Prozentsatz wieder zu erhöhen, denn bei den Verlagen liegt genügend hochwertiges deutsches Repertoire, das eine Chance im Radio verdient hätte. Und bei den Verkaufs-Charts erreichen deutsche Produkte übers Jahr gesehen schließlich einen Anteil von 40 Prozent.

MW: Welche werden Sie tun, um die Situation zu verbessern?

Wegener: Die öffentlich-rechtlichen Sendern müssen wir an ihre kulturelle Verpflichtung gemäß des Staatsvertrages erinnern, der sie zur Zeit nicht nachkommen. Dafür werden wir als erstes informieren – intern unter den Verlegerkollegen wie auch extern bei den Anstalten. Denn die Radiolandschaft verändert sich radikal, die Formatierung hat weiter zugenommen. Dadurch gibt es mehr Nischen etwa für Jazz oder Dance. In einem zweiten Schritt müssen wir Kooperationsbereitschaft signalisieren, unsere Künstler anbieten und gemeinsame Aktionen starten.

MW: Und bei den privaten Stationen?

Wegener: Auch hier müssen wir in Gesprächen versuchen, vor allem die werbetreibende Industrie für das deutsche Repertoire – und damit meine ich ganz explizit nicht nur deutschsprachige Produkte, sondern alle einheimischen Veröffentlichungen – zu sensibilisieren: von Volksmusik bis Blumfeld, von Rock/Pop bis Dance. Gerade den privaten Sendern können wir sehr gutes, modernes Material anbieten – ob HipHop oder Drum ’n Bass -, das ihren Anforderungen entgegenkommt. Mit dem Art Directors Club steht zu diesem Thema demnächst ein Austausch an.

MW: Gibt es weitere Unternehmungen?

Wegener: Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, die untersuchen soll, unter welchen politischen Kriterien bundesweite Radiosender möglich sind. Dazu gehört argumentativ auch die veränderte Situation durch die Internetradios, die das alte förderalistische Prinzip bei den Anstalten in Frage stellen. Aber letztlich können wir als DMV kein Radio machen, sondern nur Anstöße geben.