MUSIKWoche: Was hat Sie dazu bewogen, diese Allianz mit Peter Schwenkow einzugehen?
Marcel Avram: Irgendwie fühle ich mich noch jung genug, um noch weiterzumachen, und nachdem ich jetzt schon zwei Jahre in Tel Aviv wohne und meine Firma in Deutschland wieder einigermaßen gesund ist, habe ich mehrere Anfragen bekommen, ob ich nicht Lust hätte wieder meinem Steckenpferd, nämlich internationale Tourproduktionen, nachzugehen. Da kamen zwei Anfragen aus Amerika…
MW: War SFX darunter?
Avram: Ja, selbstverständlich, SFX und das House Of Blues. Aus Deutschland fragten unter anderem CTS Eventim und die Deutsche Entertainment AG an. Gottlob habe ich in meinem Alter noch die Möglichkeit, mir das Format herauszusuchen, das am besten für mich passt. Und das war das, was die DEAG mir angeboten und ermöglicht hat. Die Zeiten der One Man Shows sind einfach vorbei – das sieht man ja überall, ob bei Zeitungsverlagen, Fernsehsendern oder Radiostationen, überall rückt man näher zusammen. Dabei können die einzelnen Einheiten unter einem gemeinsamen Dach ja ihr Profil durchaus behalten, ja sogar miteinander konkurrieren.
MW: Es geht also um Größe, vor allem finanzielles Volumen?
Avram: Ja, natürlich. In früheren Zeiten musste ich, wenn eine Welt- oder Europatour anstand, überall in der Welt anfragen: ‚Wo ist das Geld, wann kommt das Geld?‘ So geht das nicht mehr. Heutzutage kann ich dieses Problem nicht mehr brauchen. Die neue Firma ist mit gutem Geld ausgestattet worden. Ich habe einen starken Partner und kann deshalb, wenn es notwendig ist, jederzeit den entsprechenden Scheck ausschreiben. Das ist gerade in unserer Zeit sehr viel wert. Sie wissen doch: Ich habe über 20 Jahre Tina Turner veranstaltet, und in diesem Jahr hatte ich sie eben plötzlich nicht mehr…Wer weiß, wo die Gründe zu suchen sind, denn ich habe immer einwandfreie Arbeit geleistet. Die DEAG kam und wollte eine internationale Partnerschaft mit mir eingehen. Sie hatte sich vor etwa einem Jahr in London Barry Marshall Arts gekauft und in diesem Jahr die größte Schweizer Konzertagentur, Good News in Zürich, übernommen und für ihr internationales Geschäft ein Headquarter in Zürich eingerichtet. Ich hatte auch seit über einem Jahr in Zürich eine Firma gegründet, mit der ich in dem Moment richtig aktiv werden wollte, in dem ich den richtigen Partner dafür finde. Den habe ich nun, ich bin aber alleiniger Geschäftsführer der Firma und treffe die Entscheidungen. Das war für mich das Ausschlaggebende, und außerdem ist die DEAG meiner Ansicht nach der stärkste Partner, den man bekommen kann, wenn man von Entertainment spricht.
MW: Warum hat sich die DEAG nicht einfach direkt an Mama Concerts & Rau beteiligt?
Avram: Wissen sie, ich bin seit 45 Jahren in Deutschland, habe einen deutschen Pass und meine Kinder sind auch hier geboren, aber ich habe mich nun mal vor zwei Jahren entschieden, nach Israel auszuwandern und persönlich nicht mehr in Deutschland zu arbeiten.
MW: Inwiefern war denn die Entertainment One AG in dem bisherigen Jahr ihres Bestehens überhaupt aktiv?
Avram: Wir haben über Entertainment One ein paar Beratungen gemacht und ein paar Tourneen betreut, mehr bisher nicht. Richtig los geht es erst jetzt, wobei mir die Gesellschafter, von denen ich selbst ja auch einer bin, erlauben in Israel zu wohnen und in der Schweiz die Geschäfte zu führen. Wir haben jetzt einen starken Onkel im Rücken, nämlich die DEAG. Das ist eine ideale Allianz für mich.
MW: Hat es einen Goodwill Transfer von Mama Concerts & Rau an Entertainment One gegeben?
Avram: Nein. Mama Concerts hat noch Verträge, hat noch Vereinbarungen, hat noch Tourneen für das kommende Jahr, darunter mit Udo Jürgens, Peter Maffay und Eric Clapton. Alle dieses Verträge und Vereinbarungen werden erfüllt. Das wird alles einwandfrei durchgeführt. In Deutschland gibt es für Liquidationen eine gesetzliche Frist von einem Jahr. Alle Leute kriegen ihr Geld, und dann sagen wir: „Danke sehr, es war schön!“
MW: Was zahlt die DEAG Global Entertainment AG für die 70 Prozent Beteiligung an Entertainment One?
Avram: Im Prinzip stellt die DEAG Global Entertainment AG das gesamte finanzielle Backing und zusätzliches Know How zur Verfügung. Ich werde mit einer sehr guten zukunftsorientierten Vergütung ausgestattet.
MW: Laufen die für das neue Jahr vorbereiteten Tourneen etwa von Clapton oder Rod Stewart dann bereits als Veranstaltungen von Entertainment One?
Avram: Eric Clapton im Frühjahr ist noch eine Mama Concerts Tournee und wird bis zu Ende abgewickelt. Und Rod Stewart sehr wahrscheinlich auch.
MW: Wie lang wird Mama Concerts & Rau also noch existieren? Etwa ein Jahr?
Avram: Auf jeden Fall noch ein gutes Dreivierteljahr. Bis das letzte Konzert abgerechnet wird. Mit Peter Maffay haben wir Konzerte bis in den Juni hinein gebucht.
MW: Kommt Mario Mendrzycki mit zu Entertainment One?
Avram: Das weiß ich noch nicht. Es gibt viele Möglichkeiten, noch ist aber nichts entschieden. Im Münchner Büro sind wir ja derzeit gar nicht mehr so viele Leute. Wir machen derzeit auf Sparflamme gute Konzerte – aber diese Sparflammenzeit will ich jetzt auch mal wieder beenden. Ich war unter den Top Drei in der Welt, und da will ich auch wieder hin!
MW: Welche Rolle spielt denn Fritz Rau in der neuen Konstellation?
Avram: Mein Freund Fritz wollte eigentlich Ende dieses Jahres aufhören. Peter Maffay und Udo Jürgens haben ihn persönlich angesprochen und davon überzeugt, ihre Tourneen bis Mitte nächsten Jahres noch durchzuziehen. Fritz konnte nicht „nein“ sagen und hat sich entschieden, diese Tourneen bis zum Abschluss etwa Mitte des Jahres 2001 zu betreuen. Ich habe ihn gebeten, mich auch künftig zu beraten, aber er hat sich erst einmal Bedenkzeit erbeten. Fritz ist mein Freund und ich werde seine Entscheidung respektieren.




