Zehn Jahre Magnetic Music

Innerhalb von zehn Jahren etablierte Inhaber und Geschäftsführer Petr Pandula seine Firma Magnetic Music, die Konzertagentur, Musikverlag und Label umfaßt, als führende Adresse für keltische Musik. Nun hat Pandula das Magnetfeld ausgedehnt.

Der gebürtige Tscheche Pandula, der seit 1968 in der Bundesrepublik lebt, beschreibt Magnetic Music „als eine Art keltisches Kulturkonsulat, wo sich Künstler, Plattenfirmen, Medienleute und Musikliebhaber die Klinke in die Hand geben.“ 1989 gründete er die Firma zunächst als Konzertveranstalter. Im Frühjahr 1990 organisierte Magnetic Music die erste „St. Patrick’s Day Celebration Festival-Tour“ rund um den irischen Nationalfeiertag, die inzwischen eine feste jährliche Einrichtung ist. Als Dudelsackspieler, Keyboarder und Flötist der Anne Wylie Band war Pandula bei der Erstauflage noch selbst beteiligt. Insgesamt traten bislang 153 Künstler in 52 Formationen im Rahmen des Festivals auf und lockten mehr als 200.000 Zuschauer an. Im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltern klagt Pandula nicht über rückläufige Besucherzahlen: „Wir haben dazu beigetragen, keltischen Folk in Deutschland zu etablieren. Wie Blues oder Jazz ist diese Musik keinen Modeerscheinungen unterworfen, sondern sie zieht ein festes Stammpublikum an.“ Vor sieben Jahren startete Magnetic Music eine zweite Tour-Serie mit dem „Celtic Halloween Festival“ im Herbst. Beide Tourneen stellten zahlreiche talentierte keltische Folk- und Folkrock-Acts aus Schottland, Irland und der Bretagne erstmals in Deutschland vor. In jüngster Zeit präsentierte Magnetic dem deutschen Publikum auch erfolgreiche Protagonisten der keltischen Musikkultur Kanadas wie die Celtic-Rock-Band Rawlins Cross oder die Violinistin Jennifer Roland. Insgesamt bucht das Unternehmen pro Jahr etwa 300 Konzerte mit rund 20 verschiedenen Bands oder Solisten. Petr Pandula betont, daß Magnetic Music sich als Independent-Firma stets um einen fairen Interessensausgleich zwischen Musikern und örtlichen Veranstaltern bemühe – „anders als die Kulturimperialisten in London, die lediglich interessiert, von wem sie das meiste Geld herauspressen können.“ Seit 1992 ist das Unternehmen auch als Label aktiv. Der Katalog umfaßt 34 Longplayer, die in 15 Ländern erhältlich sind. In Deutschland hat die Tonträger von Magnetic Music seit sieben Jahren in-akustik im Vertrieb. Die umsatzstärksten Künstler sind die Sängerin Geraldine MacGowan, die Gruppe North Cregg aus Cork sowie die deutsch-irische Band Midnight Court. Die meisten Acts des Labels stehen auch im Publishing-Bereich bei Magnetic Music unter Vertrag. Zu Beginn des vergangenen Jahres eröffnete die Firma ein zweites Büro in Dublin, was ihr vor allem bei internationalen Lizenzgeschäften zugute kommt. Petr Pandula dazu: „Wenn man zum Beispiel als deutscher Teilnehmer auf der Midem einem Japaner einen keltisch-lastigen Katalog anbietet, kommt ihm das spanisch vor. Seitdem wir in Irland eine Ltd. Company gegründet haben und auf der Midem oder der Womex am irischen Gemeinschaftsstand vertreten sind, tun sich ausländische Vertriebe und Lizenzpartner viel leichter, mit uns ins Geschäft zu kommen.“ Pandula sieht seine Firma auf dem besten Weg, „weltweit eines der wichtigsten Labels für keltische Musik zu werden“. Er ist stolz, daß viele Künstler, die in Irland heute Spitzenpositionen in den Folk-Charts erreichen, ihre Karrieren bei den Festivals von Magnetic Music begonnen haben. Die Firma fährt aber nicht allein auf der keltischen Schiene. Kürzlich hat Pandula ein Sublabel namens Aviva ins Leben gerufen, das sich auf Weltmusik-Veröffentlichungen aus Spanien, Mittel- und Südamerika sowie aus der Karibik konzentriert. Als erste Veröffentlichung ist jüngst das Album „Al Calor De La Noche“ der andalusischen Formation Calima Flamenca erschienen. Und im Tourneebereich hat Magnetic Music auch Künstler wie Paul Kuhn mit seinem Jazz Trio oder den irischen Soul-Rocker Andrew Strong, bekannt aus dem Film „The Commitments“, unter Vertrag. Auch diese Musiker passen zu Pandulas Credo, Musik zu präsentieren, die „zeitlos und bleibend ist, und nicht Sachen, die sich ein Jahr halten und dann in der Versenkung verschwinden“. Bis zum 5. November läuft noch die aktuelle „Celtic Halloween Festival-Tour“ mit den Gruppen Yannick Monnot & Nouvelle France (Bretagne), Damp In the Attic (Irland) und Canterach (Schottland). Große Pläne hat Petr Pandula auch im kommenden Millennium: Zu Ostern 2000 eröffnet Magnetic Music in der irischen Folk-Metropole Doolin ein Kulturzentrum mit einem Plattenladen, einem Restaurant mit Konzertbühne, einer Weinbar und einem weiteren Büro. „An der Westküste in der Grafschaft Clare spüren wir den Pulsschlag der traditionellen irischen Musikszene“, schwärmt der Magnetic-Music-Chef.