Zehn Jahre Castle in Deutschland

1989 etablierte sich das britische Tonträgerunternehmen Castle erstmals im deutschen Markt und profilierte sich im Rockbereich. Acht Jahre später schloß die deutsche Filiale ihre Pforten, seither ist die Firma Castle ein erfolgreiches Label im Vertrieb von edel records.

Nach diversen Besitzerwechseln gehört die 1983 gegründete Independent-Firma seit 1997 zur Rutland Trust, einer Londoner Investment-Firma. Rutland hat sich mit Castle Music hohe Ziele gesteckt. Das Label wolle weg vom Ruf eines reinen Back-Katalog-Verwerters und zu einer Plattenfirma werden, die „360 Grad abdeckt“, wie es Julian Wall, Head Of International, im Gespräch mit MUSIKWoche formuliert. In der Zentrale in London arbeiten derzeit rund 50 Mitarbeiter. Mit der Hamburger edel records GmbH habe Castle Music einen „starken und engagierten Partner“ für die deutschsprachigen Märkte gefunden, sagt Wall. „In den USA haben wir gerade einen Vertriebs- und Lizenzierungs-Deal mit der Firma Distribution North America (DNA) abgeschlossen“, ergänzt er, und er verweist auch auf den Vertriebspartner BMG in Asien und dem pazifischen Raum. „Wir haben vor, unseren Marktanteil mit neuen Signings auszubauen“, sagt Julian Wall und verweist auf jüngste Castle-Neuverpflichtungen wie Gary Moore, dessen neues Album, „A Different Beat“, seit 27. September im Handel ist, und die Londoner HipHop-Lady Phoebe One sowie die reaktivierten Veteranen von Wishbone Ash. Am 4. Oktober kommt mit dem Album „Still The Joint“ des Projekts Sugarhill Remix ein weiteres HipHop-Produkt von Castle in die Regale: Für die CD haben sich Remix-Grössen wie Coldcut, Chemical Brothers und Propellerheads an Neuversionen alter Hits der Sugarhill Gang versucht. „Wir wollen einfach zeigen, daß wir jedes Genre erfolgreich bearbeiten und neue Künstler aufbauen können“, betont Wall. Ein weiterer Castle-Schwerpunkt ist das am 20. September erschienene neue Helloween-Album „Metal Juke Box“. „Wir wollen den Bekanntheitsgrad von Helloween weltweit erhöhen, nachdem die Band bislang schon gute Verkaufszahlen vorweisen konnte und mit ihrer letzten CD in die deutschen Top 20 aufstieg“, sagt Jörn Seidel. Der frühere Presse-Manager bei edel records kümmert sich mittlerweile um die Vermarktung aller Castle-Produktionen. „Am 18. Oktober erscheint als weiterer Schwerpunkt zudem das neue Marillion-Album namens,marillion.com'“, so Seidel, der auch für den umfangreichen Back-Katalog der britischen Firma zuständig ist. „Ich telefoniere jede Woche mehrfach mit Castle UK, damit wir unsere Aktivitäten besser abstimmen können.“ Seidel bekräftigt, daß „Koordinationsarbeit auch im eigenen Haus wichtig ist, denn ein Teil des Castle-Repertoires wird über edel Contraire vertrieben.“ Mehrmals im Jahr konzipiert edel Vertriebsaktionen für Castle, beispielsweise im Rahmen der Tour von Black Sabbath, da der Back-Katalog der Band zum Repertoire gehört. Weitere Schwerpunkte sind Wiederveröffentlichungen von Künstlern und Bands wie Nils Lofgren, Elkie Brooks, Shamen und Spencer Davis Group. Und noch mehr Projekte kündigt Seidl an: „Castle Music hat die Rechte an 60.000 Titeln und kann über Lizenzverträge auf 30.000 Titel aus den 60er, 70er und 80er Jahren zurückgreifen. Darunter sind Sachen von den Kinks, Uriah Heep, Emerson Lake & Palmer, Nazareth oder Roger Chapman.‘