“WOM hat im Geschäftsjahr 2000 einen Brutto-Umsatz von 185 Millionen Mark erwirtschaftet. In einem schrumpfenden Markt haben wir unseren Umsatz gehalten und dadurch unseren Marktanteil substanziell erhöht“, erklärte Orthmayr. Der Online-Shop wom.de habe mit einem Umsatz von einer Million Mark „den Geschäftsplan nur knapp verfehlt.“ Dabei habe der Shop „erstaulich hohe Konversionsraten“ aufzuweisen: „In der Online-Welt gilt bei der Zahl der Besucher, die etwas kaufen, ein Wert von zwei Prozent als guter Wert. Wir haben zu Weihnachten Werte von 13 bis 14 Prozent erreicht und liegen im Schnitt bei 2,8 Prozent.“
Für das laufende Jahr liegt das Ziel für wom.de laut Orthmayr bei knapp sieben Millionen Mark. Um diesen Wert zu erreichen, will Orthmayr mehr Service bieten: „Wir agieren schon jetzt mit Promotional Downloads und hoffen, ab dem vierten Quartal auch mit Commercial Downloads präsent zu sein.“ Auch das Netz an Kooperationspartnern soll weiter wachsen: Derzeit laufen Verhandlungen mit zwei großen Portalbetreibern und mit einem Ticketverkäufer.
„Internationale Expansion sinnvoll“
Im stationären Geschäft stellte Karstadt-Vorstandschef Wolfgang Urban zu seinem Amtsantritt im Herbst 2000 unter anderem eine Internationalisierung von WOM in Aussicht. Orthmayr schwächt ab: „Der WOM-Geschäftsführung wurden seitens ihres Hauptgesellschafters bisher nicht die nötigen Signale gegeben, sich auf dem Immobilienmarkt in London, Paris oder Amsterdam umzuschauen. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass eine internationale Expansion in den richtigen Märkten machbar und auch sinnvoll wäre. WOM wurde 1982 gegründet, als der Musikmarkt, wie heute auch wieder, in einem tiefen Jammertal steckte, und profitierte später von der positiven Entwicklung des Markts. Heute antizyklisch zu reagieren, wäre wahrscheinlich richtig.“
„Unsere Filialen sind langfristig marktfähig“
Zumindest stehen nach dem Aus für drei WOM-Filialen gegen Ende des Jahres 2000 derzeit keine weiteren Schließungen an: „Nur wenn die lokalen Gegebenheiten eine schnelle Verschlechterung ergeben würden, müssten wir fragen, ob der Standort langfristig eine Chance hat. Unsere 18 Filialen sind Standorte, die wir langfristig für marktfähig halten.“
Laut Orthmayr sind aber attraktive Flächen für den Musikhandel zunehmend unbezahlbar: „Wir haben als Musik-Einzelhändler das Problem, dass wir aufgrund der Margen immer auf Kompromisse angewiesen sind. Mit dem Verkauf von Musik lassen sich keine Quadratmetermieten jenseits der 100 Mark bezahlen.“
Derzeit befinde sich WOM in einer Phase der Reorganisation: „Wir sind dabei, unser Geschäftssystem zu modernisieren, ohne dabei unsere Tugenden wie Qualifikation und Kompetenz zur Dispositionen zu stellen.“ Im Fokus stehen laut Orthmayr zum Beispiel Warenannahme und Warensicherung. Hier sollen Stellen wegfallen: „Genau quantifizieren lässt sich das noch nicht, es wird aber in einer Größenordnung von rund zehn Prozent liegen. Dieser Abbau soll sich hochgradig sozialverträglich abspielen.“ Weiterhin arbeitet WOM zusammen mit der Firma CashKit an einem artikelgenauen Warenwirtschaftssystem.
Durch die kürzlich erfolgte Fusion der Metro-Tochter PrimusMedia mit dem Unternehmen jpc, das unter anderem als Fulfillment-Dienstleister für wom. de agiert, ändert sich für Orthmayr nichts an dieser Geschäftsbeziehung. Allerdings hätte der WOM-Chef dieses Geschäft gern selbst gemacht: „jpc und WOM hätten noch besser zusammengepasst.“
Zudem liegt Orthmayr der Preiskampf um das wachsende Marktsegment DVD am Herzen: „Wir haben uns daran gewöhnt, dass bei der CD der EK und der VK nicht immer etwas miteinander zu tun haben. Wie sich dieses Verhältnis jedoch bei der DVD entwickelt, ist krank. Dieses zarte Pflänzchen eines neuen Geschäftsfelds wird leider preislich platt gewalzt. Manche können eben nur billig, wir versuchen es lieber gut.‘





