Wolfgang Orthmayr, Vorsitzender des HAMM: „Nie einen Betrugsverdacht geäußert‘

In der Branche gab es jüngst das Gerücht, der Handelsverband Musik & Medien (HAMM) habe gegenüber den Charts-Ermittlern von den Vorwurf ungenauer Abrechnungen erhoben. MusikWoche fragte nach beim HAMM-Vorsitzenden .

MusikWoche:Herr Orthmayr, was ist dran an diesem Gerücht?

Wolfgang Orthmayr: Wir als HAMM oder ich als Person haben nie einen Betrugsverdacht geäußert. Wir haben nichts gegen Media Control. Media Control erstellt die besten Charts, die wir je in Deutschland hatten: So, wie sie heute sind, sind es unsere genauesten und korrektesten Charts, von ihrer Ehrlichkeit, Transparenz und Klarheit. Sie könnten aus unserer Sicht allerdings noch besser sein. Ich habe deshalb keinerlei Anlass, an den Geschäftspraktiken, an der Korrektheit der Charts oder der Abrechnung von Media Control zu zweifeln. Was mir allerdings Bedenken macht ist, dass sich ein so stark publiziertes Medium wie die Charts angeblich nicht zu einem Erlös vermarkten lässt, der die Kosten der Erstellung überschreitet. Da muss handwerklich etwas im Argen liegen.

MW: Was könnte an den Charts besser sein?

Orthmayr: Dazu haben wir ein paar ganz konkrete Vorstellungen. Es geht dabei nicht darum, dass ein anderer Marktforscher diesen Job übernimmt. Es sei denn, irgendwer macht diesen Job billiger und besser, denn dann ist Media Control auch nur einer von mehreren Marktforschern – allerdings der musik-affinste im Moment. In meiner Idealvorstellung ist der zusammen mit dem Handelsverband Auftraggeber der Charts. So, wie es in jedem Land um uns herum der Fall ist, egal ob in Frankreich, England oder den Niederlanden.

MW: Ist das eine offizielle Forderung des HAMM, Auftraggeber der Charts zu sein?

Orthmayr: Wir wollen Mit-Auftraggeber der Charts werden. Ohne den Handel und ohne die vom Handel zugelieferten Daten kann es keine Charts geben. Wir haben dem Bundeverband dazu konkrete Vorschläge gemacht und ich habe auch mit , der Geschäftsführerin von Media Control, darüber diskutiert. Bei ein paar Sachen laufen wir da offene Türen ein, bei ein paar anderen laufen wir momentan gegen die Wand. Ein Beispiel: Ich verstehe einfach nicht, warum wir uns so schwer tun, den Erfolg tatsächlich quantifizierbar zu machen. Wir stellen uns dar als eine Branche von permanenten Gewinnern. Wir haben jede Woche eine Nummer eins: Ganz gleich, ob sie in einer Woche gerade einmal 11.000 Exemplare verkauft oder 220.000 Exemplare. Da müsste mehr Wahrheit herein, wie zum Beispiel beim US-amerikanischen Soundscan-System, bei dem auf die Stückzahl genau erhoben und nachgerechnet wird. Auch dort gibt es keine Vollerhebung. Und auch im Fernsehbereich ist es bei einer viel kleineren Stichprobe möglich, detaillierte Zahlen zu liefern.