Vote-And-Quote-Umfrage: Statements

Hier finden Sie ausgewählte Statements zur Vote-And-Quote-Umfrage „Sind CDs zu teuer?“ im Original-Wortlaut.

“Ja, aber nur, weil oft der Inhalt dem Preis nicht entspricht. Würden CD-Preise an Qualität des Produktes/Produktionskosten gemessen, müssten sie zwischen fünf und hundertfünfzig Mark kosten.“

Sebastian Thorer Village Recording Studios

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„Es ist unverständlich, dass der Handel immer noch meint, dass Independent-CDs für über 30 Mark ihre Berechtigung haben. Charts-Ware wird oftmals zu Dumpingpreisen angeboten, und der Käufer überlegt sich sehr gut, ob er einen Tonträger von einem neuen Künstler kaufen soll. Ich wünschte mir oftmals die Zeit um 1980 zurück, wo Indie-Vertriebe Tonträger für fünf Mark billiger als Charts-Ware in die Läden gestellt und die Geschäfte diesen günstigen Einkaufspreis auch an den Endverbraucher weitergegeben haben.

Mit günstigeren Preisen würde die Musikindustrie dem Käufer die Chance geben, sich auch einen Newcomer auf Tonträger kaufen zu wollen. Dadurch würde der ganze Musikmarkt (Tonträgerhandel, Liveclubs, Studios usw.) wieder in Bewegung geraten. Da die alte günstige Vinyl-Single für neue Bands nicht mehr zum Start von Konzerten und Pressevorstellung genutzt werden kann, muss der Handel sich bald was einfallen lassen, da ansonsten nur noch ein Kiosk an der Ecke reicht, um die Top 100 zu verkaufen.

mit hoffnungsvollen Grüßen“ Claus Fabian Inhaber:Weserlabel / Superrock Records

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„Die Unterschiede zwischen einzelnen Veröffentlichungen sind zu groß. Die großen Ketten verkaufen neue CDs von bekannten Künstlern zu billig und bieten viele interessante Neuerscheinungen nicht an. Die gibt es dann im Fachhandel oder im Internet als Hochpreis-CDs. Das heißt, unbekannte Künstler werden zu Preisen verkauft, die, unabhängig von der Qualität der Musik, für den Konsumenten nicht akzeptabel sind (über 30 Mark).

Wenn der Käufer die Wahl hat zwischen 22 Mark für einen bekannten Act und 35 Mark für einen unbekannten, nimmt er, selbst bei Interesse an der Musik des unbekannten, die CD für 22 Mark. Insgesamt gesehen sind CDs zu teuer, weil die Herstellung billig ist, der Kunde aber den ganzen aufgeblasenen Marketing-, Verwaltungs- und Größenwahn (auch der Künstler) bezahlen soll.“

Wolfgang Pfister knock-out-music-service publishing, promotion, booking

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„Ich war für einige Jahre feste Mitarbeiterin in verschiedenen Schallplatten-Unternehmen, hauptsächlich in der Promotion-Abteilung. In all den Jahren wurde mir suggeriert, und als feste Mitarbeiterin vertrat ich selbst diesen Standpunkt, dass wenn CDs nicht teuer genug sind, kein Geld (übrig) ist für Promo-Ausgaben, für TV-Sendungen, für Anzeigen, für Senderreisen, für Poster usw. Ich vertrat gewissenhaft und loyal die Ansicht meines jeweiligen Arbeitgebers.

In allen Firmen konnte ich immer beobachten, dass ein sehr reger CD-Austausch zwischen den Mitarbeitern der unterschiedlichsten Firmen betrieben wurde und man hatte immer jedes ‚interessante Produkt‘ – auch die der Konkurrenz-Unternehmen. Heute bin ich selbstständig und zwischendurch gab es Zeiten, da hätte ich sehr gerne einen ‚alten Kollegen‘ mal um die eine oder andere CD gebeten, soweit es die ‚alten Kollegen‘ noch gibt…

Heute gehe ich in den Plattenladen – erst heute wieder – und mich erschrecken die Preise! Inzwischen will ich aktuell informiert sein, ich arbeite ja noch in der Branche. Aber ich bin älter geworden und mag jetzt auch Jazz! Dann möchte ich auch mitreden, ob Madonna noch ‚cool‘ ist und Eric Clapton noch immer so wunderbare Balladen schreiben und komponieren kann! Auch die Klassik hat was zu bieten – aber wer soll aus allen Bereichen wieviel Geld für CDs übrig haben?

Wenn ich die vielen Newcomer sehe, die Hervorragendes leisten – aber die (noch) kein Mensch kennt. Und für einen Künstler, den ich nicht kenne, der mich aber anspricht, neugierig macht auf MEHR – der darf mich nur um die 20 Mark kosten (vielleicht ist sein nächstes Album dann etwas teurer…) – aber die zehnte Paul Simon und schon wieder eine Beatles (wie wunderbar), die kann mich ruhig 40 Mark kosten oder mehr! Für ein gutes Buch, gebunden, weil mich auch das Cover anspricht, gebe ich gerne mehr aus…

Naja, bevor ich ins Schwafeln gerate… CDs sind unbedingt zu teuer. Und das wird draußen auch diskutiert!!! Nur hört das in den Firmen kein Mensch, denn die sind ja versorgt. Mit allem Aktuellen. Die wissen doch gar nicht, wie hoch die Preise sind. CDs müssen billiger werden. Alle Schüler, die ich in meinem Umfeld kenne, brennen sich gegenseitig CDs. Denn ihr Taschengeld reicht nunmal nur für eine Xavier oder eine Bravo-Compilation. Kids experimentieren wohl viel weniger mit Newcomern; denn dafür fehlt ganz einfach das Geld. Schade drum!

Ihre Jane L. Smith Care Company (seit 1972 mit der Musikbranche verbandelt)

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„Die Schmerzgrenze ist meiner Meinung nach 30 Mark und der immer weiter ansteigende Umsatz der Mail-Order oder auch Internetanbieter (amazon) ist ein Zeichen dafür, dass es dem Verbraucher zu teuer ist, für eine CD über 30 Mark auszugeben.

Die eher uneinsichtigen Argumente der Major-Companies und deren Abgabepreise an den Handel mit teilweise bis zu 23.99 Mark HAP lassen eher befürchten, dass sich an der Situation nichts ändert. Das Gerede von gestiegenen Kosten (Produktion, Werbung, Marketing etc.) ist doch eher fadenscheinig, denn eher sollte man auf kostengünstige Produktionen achten und effektive Werbung einsetzten als glauben, ein hoher HAP regele das schon. Dies wird immer mehr zu einem Bumerang, dessen bin ich mir sicher.“

crayz life music Axel Thubeauville Inhaber eines kleinen Independent-Labels mit bundesweitem Vertrieb