“Zu geil für diese Welt“ – so lautete die erste Botschaft des Musikkanals, der in den vergangenen fünf Jahren für viel Bewegung in der deutschen Musikbranche sorgte. Das Video der Stuttgarter HipHop-Band Die Fantastischen Vier bildete den Auftakt zu einem Musikprogramm, das von Beginn an vielen deutschsprachigen Bands und Solokünstlern eine Plattform bot. Anfangs erntete Geschäftsführer Dieter Gorny mit seinen Plänen nur wenig Begeisterung: „Bis auf ein paar Agenturen und die Tonträgerfirmen wollte keiner einen Pfifferling auf uns setzen. Damals saßen wir noch in Containern“, sagt er im Gespräch mit MUSIKWoche.
Doch bereits nach einem Jahr wies eine Untersuchung der Programmzeitschrift „TV Movie“ Viva als Marktführer bei den 14- bis 29jährigen Zuschauern aus; nach einem weiteren Jahr schrieb der Sender erstmals schwarze Zahlen. Und zum Jahresende 1998 rechnet die Viva Fernsehen GmbH & Co. KG mit einem geschätzten Jahresumsatz von über 80 Millionen Mark. Unter Berücksichtigung der Gewinnerwartungen in Höhe von rund 15 Millionen Mark liegt die voraussichtliche Umsatzrentabilität bei 17 Prozent: Damit wäre Viva nach einem halben Jahrzehnt nicht nur Marktführer bei den Musiksendern, sondern im gesamten deutschen Fernsehmarkt.
„Wäre mir das damals vorausgesagt worden – ich hätte es wahrscheinlich nicht sofort geglaubt“, so Gorny. Doch der einstige PopKomm.-Chef überzeugte nicht nur mit Viva alle Zweifler und strafte Kritiker Lügen. Auch den kulturellen Anspruch des Senders konnte er mit dem Medienpreis „Comet“ breitenwirksam kommunizieren. Er zeichnet seit 1995 jährlich Künstler und Vertreter der Branche aus und in diesem Jahr auch Michail Gorbatschow, den Staats- und Parteichef der ehemaligen Sowjetunion. Der Ritterschlag der Medienwelt folgte im Mai 1997, als Dieter Gorny den Adolf-Grimme-Preis für seine Verdienste um das deutsche Fernsehen erhielt. Heute ist Viva laut der Fame-Studie der Verlagsgruppe Milchstraße und laut Allensbach-Institut Deutschlands Trendsetter Nummer eins.
Und nun nimmt Gorny auch den ausländischen Markt ins Visier: „Noch vor Jahresfrist stellen wir einen Antrag für die Lizenzierung eines Programmfensters in der Schweiz. Im kommenden Jahr hoffen wir, auch in Polen auf Sendung gehen zu dürfen.“ Ungarn, Tschechien, Italien und Spanien könnten schon bald folgen. Strukturell sind Viva und der zweite Kanal, Viva Zwei, der im März 1995 Premiere feierte, auf die Internationalisierung vorbereitet.
Erst kürzlich ernannte Gorny mit Patricia Gebhardt und Elmar Giglinger zwei Programmdirektoren, die neue Impulse geben sollen (). Er betont: „Wir haben beide Sender auf eigene Füße gestellt, gleichzeitig das gesamte Unternehmen verschlankt und für noch kürzere Entscheidungswege gesorgt. Wir wollen uns nicht auf dem Status des Marktführers ausruhen. Der zunehmende Wettbewerb – vor allem mit Vollprogrammen, die immer mehr Musik in ihr Angebot aufnehmen – spornt uns an.‘





