Visite beim Ministry Of Sound

In England prangt das Logo von Ministry Of Sound auf vielen Hit-CDs, auf aktueller Club-Fashion und auf dem Cover des „Ministry“-Magazins. Edgar Klüsener besuchte Chefminister Matt Jagger, der in Deutschland Fuß fassen will.

Dieses Ministerium ist ein eigenartiges Gebilde. Ursprünglich nur ein Club unter vielen in Londons Nachtszene, ist es längst über die Grenzen von Clubland hinausgewachsen. Heute reprŠsentiert der Gebäudekomplex in der Londoner Gaunt Street – im Nebengebäude residiert das lokale Finanzamt – das Herzstück eines Unternehmens, das rasant expandiert. Auf der Ferien- und Partyinsel Ibiza zum Beispiel dominiert Ministry Of Sound seit Jahren das Clubleben – mit Disconächten im „Pasha“, einer eigenen Ministry-Radioshow und der Ibiza-Ausgabe des „Ministry“-Magazins, das längst das marktbeherrschende Dance- und Clubber-Lifestyle-Blatt der britischen Inseln ist. Von den Ibiza-Compilations „The Clubber’s Guide To Ibiza“ und „Ibiza Annual“ ganz zu schweigen. Und im Internet ist die Ministry-Homepage mittlerweile eine der meistbesuchten Dance-Seiten überhaupt. Nun steht als nächstes Expansionsziel das europäische Festland auf dem Programm, und zwar vor allem Deutschland. Ministry Of Sound will sich auf dem deutschen Markt auf ähnliche Art als führende Dance- und Lifestyle-Marke etablieren wie schon in Großbritannien. Deutschland sei das logische erste Ziel der Internationalisierung, sagt Matt Jagger, Geschäftsführer der Ministry Of Sound Recordings Ltd. und damit verantwortlich für alle Tonträger-Aktivitäten des Unternehmens. Er hält Deutschland gleich aus mehreren Gründen für einen bedeutsamen Markt. „Wir sehen einfach“, erklärt er, „dass die deutsche Dance- und Clubkultur der britischen mehr ähnelt als jede andere nationale Clubkultur in Europa. Die Deutschen waren immer schon an Dance-Musik interessiert, es gibt eine riesige Clubszene und DJ-Superstars, die auch im Vereinigten Königreich einen Namen haben“ Wie enorm das Interesse der Deutschen an Dance Music und Club Culture sei, zeige sich allein schon an der Tatsache, dass sich bis zu zwei Millionen Menschen in Berlin zur Love Parade zusammenfinden. „In UK haben wir nichts, was sich auch nur annähernd daran messen ließe“, sagt Jagger. „Wir haben allein im vergangenen Jahr 50.000 bis 60.000 Exemplare des Magazins nach Deutschland exportiert. Da lag es nahe, sich im Lande einen Partner zu suchen und mit diesem zusammen selbst auf dem Markt aktiv zu werden.“ Nach sorgfältiger Überlegung stand am Ende der Partnerwahl schlie§lich die Kooperation mit Universal. „Universal ist eindeutig der beste Partner für uns“, sagt Jagger. „Schon deshalb, weil die Firma die führenden deutschen Dancelabels – Motor, Urban, Kontor, Zeitgeist – unter einem Dach vereint und Marktführer im Bereich der Dance-Compilations ist.“ Die Partnerschaft begann Anfang des Jahres mit der Veröffentlichung der „Ministry Of Sound Annual Compilatio“ in Deutschland. Die speziell auf den deutschen Markt zugeschnittene Compilation unterscheidet sich ein wenig von der britischen Ausgabe. „Tom Novy und Boy George haben sie exklusiv für den deutschen Markt zusammengestellt“, betont Jagger. „Wir zollen damit auch der Tatsache Respekt, dass der deutsche Markt sehr eigenständig ist, ohne dass wir dabei freilich auf das ganz besondere Ministry-Feeling verzichten.“ Mit den Compilations allein ist es allerdings nicht getan. Wenn schon deutscher Markt, dann richtig, findet Jagger. „Bislang weiß der deutsche Clubber vielleicht gerade, dass das Ministry Of Sound ein Club in London ist. Vielleicht auch noch, dass wir auch Platten veröffentlichen. Aber damit hat sich’s in der Regel schon. Unser Ziel ist es nun, die gesamte Angebotspalette, die sich unter dem Markenzeichen Ministry Of Sound verbirgt, in Deutschland bekannt zu machen.“ Deshalb will Jagger Künstler auf Deutschland-Tour schicken und spezielle Ministry-Of-Sound-Nächte veranstalten. „Dafür haben wir mit TDK und der Deutschen Telekom bereits potente Sponsoren gefunden. Wir würden auch gern mit einer deutschen Version unseres Magazins auf den Markt gehen. Zudem haben wir unser Radio-Syndikat, das deutsche Stationen beliefern kann.“ Ministry Of Sound will laut Matt Jagger mehr sein, als „nur“ eine weitere Entertainment-Marke. „Wir stehen für einen speziellen Lifestyle“, erläutert er die Unternehmensphilosophie. „Aber wir sind nicht so arrogant, zu glauben, wir könnten mit britischen Rezepten den deutschen Markt aufrollen. Uns ist bewusst, dass uns eine Menge harter Arbeit bevorsteht, wenn wir Ministry Of Sound zu einem Markenzeichen machen wollen, das in Deutschland den gleichen Stellenwert hat wie in UK. Vor allem aber“, fährt er fort, „sind wir uns bewusst, dass die deutsche Dance-Szene nicht nur die größte und lebendigste Europas ist, sondern auch durch und durch eigenständig. Sie folgt nicht Trends, sondern setzt sie selbst. Also muss sich Ministry Of Sound auf diese Szene einstellen und alle Angebote, von den Compilations über die Partys bis hin zur bisher nur angedachten deutschen Version des Magazins auf diesen Markt abstimmen.“ Eine zentrale Rolle soll dabei die Internet-Site spielen. Sie entwickelt sich zunehmend zur zentralen Schaltstelle, zum Dreh- und Angelpunkt des Imperiums. „Wir haben die wohl am häufigsten besuchte Dance-Site des Planeten“, konstatiert Jagger mit unüberhörbarem Stolz. „Wir verzeichnen rund vier Millionen Hits pro Monat und haben rund 500.000,Unique Users“. Auch unser Web-Auftritt wird um eine deutsche Dimension erweitert, und das bedeutet sicher mehr als nur die Übersetzung bereits vorhandener Inhalte.“ Nur eins soll es in Deutschland mit einiger Sicherheit nicht geben: eine deutsche Ausgabe des Ministry-Of-Sound-Clubs. Dieses Herzstück des Unternehmens sei auf seine Art einzigartig, beteuert Matt Jagger, und lie§e sich deshalb nur schwer, wenn überhaupt, exportieren.