MUSIKWoche: Warum wird die „ZDF Hitparade“ nun doch eingestellt?
Viktor Worms: Die „Hitparade“ wird eingestellt, weil sich an den Marktanteilen von acht bis elf Prozent nichts geändert hat. Das ist einfach zu wenig.
MW: Hat das aber nicht mit der ungünstigen Sendezeit zu tun?
Worms: Nein, denn diesen Marktanteil hatten wir auch, als die Sendung im Abendprogramm ausgestrahlt wurde.
MW: Hängt der Zuschauerschwund mit dem jetzigen Moderator zusammen?
Worms: An Herrn Hübner liegt es nicht. Auf keinen Fall. Wir müssen die Sendung einstellen, weil wir dem Namen der Sendung nicht mehr gerecht werden können. Die „Hitparade“ ist keine Hitparade mehr.
MW: Liegt es daran, dass der Schlager an Beliebtheit verloren hat?
Worms: Es gibt den Schlager noch, nur haben wir heute im deutschsprachigen Bereich eine Zerfaserung der Stile: Es gibt deutschsprachigen HipHop, Deutsch-Pop und so weiter. Schaue ich mir die Media-Control-Charts an, dann werden die ersten zehn Plätze von Gruppen wie Echt oder Ayman belegt. Diese Gruppen möchten nicht in der „ZDF Hitparade“ auftreten, weil ihr Musikstil nicht in die Sendung passt, was ich auch verstehe. Aber selbst innerhalb der enger gefassten Nische „Klassischer Deutscher Schlager“ kann ich keine Hitparade mehr machen. Denn Künstler wie Wolfgang Petry, die Flippers, Udo Jürgens oder Howard Carpendale, Künstler also, die in diesem Genrebereich führend sind, kommen nicht in die Sendung, weil sie sich vor dem Wettbewerb fürchten. Das ist natürlich Unsinn, denn ein Lied gefällt im individuellen Fall oder gefällt nicht, egal, welchen Platz es belegt.
MW: Warum funktioniert dann die „Volkstümliche Hitparade“?
Worms: Dieses Musikgenre ist eben nicht so zerflededert. Da haben wir halbwegs die einheitliche Linie.
MW: Wollten Sie nicht über eine neue Form der Sendung nachdenken?
Worms: Sie meinen eine Form ohne Wettbewerb? Das wäre wie ein Fußballspiel ohne Tor.
MW: Ralph Siegel bedauert, dass nun auch das letzte Forum für den Nachwuchs wegfällt.
Worms: Ich muss Herrn Siegel hier sehr in Schutz nehmen, denn seine Künstler sind immer gekommen. Aber eine Hitparade ist nunmal keine Nachwuchssendung. Sie muss in erster Linie Stars präsentieren. Aber das Beste kann einfach nicht mehr präsentiert werden.
MW: Würden die Künstler bei einem anderen Moderator vielleicht kommen? Dieter Thomas Heck bekommt selbst Gitte Haenning für seine Sendungen, obwohl die keinen Schlager mehr macht.
Worms: Herr Heck hat viele Freunde. Aber er macht auch keine Wettbewerbssendung mehr.
MW: Gab es Gespräche mit Herrn Heck oder dem Erfinder der Show, Herrn Branns, die Sendung neu zu gestalten?
Worms: Es gab nur Gespräche mit Herrn Heck, er hat auch Ideen bezüglicher einer Wettbewerbssendung, aber diese können wir nicht realisieren.
MW: Herr Branss kritisiert die Kameraführung. Er meint, die vielen hektischen Schnitte und das Geflimmer, das einer amerikanischen Show gleicht, lenken ab von der Aufmerksamkeit und lassen den Künstler nicht mehr im Zentrum der Sendung stehen.
Worms: Ich kann mir schon vorstellen, was Herrn Branss an unserer Sendung nicht gefällt. Aber wir leben heute in einer anderen Zeit. Die Zeit der Galas ist vorbei. Das hat der Zuschauer entschieden. Zumindest vorübergehend. Aber es gibt nichts, was nicht wiederkommen kann.
MW: Betrifft das auch den „Showpalast“?
Worms: Auch diese Sendung werden wir einstellen.
MW: Obwohl doch die Quote deutlich nach oben geht?
Worms: Eben nicht deutlich genug. Wir alle könne mit der Quote nicht zufrieden sein. Natürlich hat es der „Showpalast“ in Konkurrenz zum „Tatort“ hier ganz besonders schwer gehabt. Das ändert im übrigen nichts daran, dass Dieter Thomas Heck weiterhin eine herausragende Rolle in den Shows des ZDF spielen wird. Er ist für uns als Persönlichkeit unverzichtbar.






