Als erster kam der Bär: Hartmut Peine, Geschäftsführer der Universal Vertrieb GmbH, betrat die Bühne im Konferenzsaal des Estrel Hotels in das Fell des Berliner Wappentiers gewandet. Peine betonte, man habe füür das Tagungsmotto „Zukunft heute gestalten“ keine passendere Stadt auswählen können, als „die spannendste Stadt Deutschlands.“ Hier werden jeden Tag an der Zukunft gearbeitet. „Genau diese Vision haben wir für unser Unternehmen, welches in letzter Zeit vergleichbare Veränderungen erlebt hat wie unsere Hauptstadt.“ Die Firma habe Merger von Polygram und Universal zur Universal Music „erfolgreich gemastert“ und dabei unter anderem innerhalb eines Jahres Vertriebsmannschaft neu aufgestellt. Allerdings stehe „die nächste Herausforderung in Form des Megers von Vivendi und Universal schon wieder an“.
Chairman Wolf-D. Gramatke betonte in seiner Ansprache gegenüber den mehr als 400 Mitarbeitern der Universal-Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die große Bedeutung des Zusammenschlusses von Vivendi und Seagram. „Die Zukunft passiert nicht einfach, sie muss geschaffen werden.“ Positiv schätzte Gramatke die Chancen für das kommende Online-Geschäft ein. „Unser Ziel muss es offline wie online sein, das Profil von Universal als innovativem Marktführer weiter zu schärfen. Alle müssen wissen: Bei uns sind die Consumer immer im Focus aller Strategien. Darum gilt es, die Zukunft schon heute zu gestalten.“
Gramatke beruhigte die Mitarbeiter, dass sie bei den Online-Aktivitäten nicht um ihren Job fürchten müssten („Pessimismus ist Unsinn“) und forderte in diesem Zusammenhange den Handel auf, die neuen Technologien stärker für die Vermarktung zu nutzen. „Die neuen Technologien geben auch dem Handel neue Chancen, aber er muss sich offensiv darauf einstellen“. Die Musikpiraterie mittels File-Sharing-Technologien wie Napster und Gnutella führte Gramatke teilweise auch darauf zurück, dass es für die Fans bisher kaum Alternativen zu diesen Tauschmärkten gegeben habe. „Piraterie funktioniert nur wenn es keine Alternative gibt!“ Sobald man aber den Kunden eine legale Alternative mit besserer Klangqualität und besserem, sicherem Service anbiete, würden sie dazu überwechseln. „Wir brauchen allerdings endlich einen stärkeren internationalen Online-Schutz für die Urheberrechte.“ Die Gerichte würden hoffentlich bald die notwendigen Urteile auch in den USA fällen.
Nach Meinung von Gramatke halten die Musikfirmen die Zukunft der Online-Technologien in den Händen. „Wenn es stimmt, dass Content King ist, dann ist Distribution King Kong“, erklärte der Universal Chairman & CEO. Trotzdem und gerade deswegen müssten sich alle wieder mehr um Inhalte und A&R kümmern, anstatt darüber zu grübeln, ob man gegen Napster und Gnutella überlebe.Alle Vorwürfe, die Musikindustrie habe die Internet-Entwicklung verschlafen, seien „einfach falsch“. Als Unternehmen, das den Shareholder Value immer im Auge behalten müsse, wäre es ein fataler Fehler gewesen, aus Technologie-Hörigkeit alle Produktionen ins Netz zu stellen, nur um „cool“ und „in“ zu sein.
Es sei Aufgabe der Tonträgerunternehmen, die Künstler und ihre Produktionen vor Piraterie zu schützen. „Heute sind wir mit der Technologie so weit, dass die Sicherungen greifen. Darum werden wir unsere Musikproduktionen Schritt für Schritt im Internet anbieten und auch kassieren.“ Aber, so Gramatke, allein die kalte Lieferung von Musikproduktionen reiche nicht. Vielmehr brauche man ein Subskriptionssystem wie beim Pay TV oder eine Super-Distribution, die alles sehr unkompliziert an den Verbraucher bringe. So habe Universal allein an Klassik-Produktionen 220.000 Werke im Archiv. Davon gebe es jetzt bei www.classicsandjazz.de 15.000 im Online-Angebot. „Wir können in Zukunft mit großem Optimismus gesunde Zuwachsraten durch Online erwarten.“
Finanzchef Wingolf Mielke ließ seine Rede über die Ergebnisse des abgelaufenen Geschäftsjahres mit den Klängen von James Browns „I feel good“ einläuten.Er berichtete, man habe im Rahmen der globalen Zielsetzung der Universal Music Group eine sehr ehrgeizige Zielsetzung übernommen: die Erreichung von einem EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibung auf Sachanlagen und Abschreibung auf Goodwill) von einer Milliarde Dollar – etwas, was innerhalb der Musikindustrie noch keine Firma zuvor geschafft habe. Dieses Ziel sei erreicht worden und „zu dieser Milliarde“ habe die Universal Music Gruppe Deutschland „einen wichtigen Beitrag geleistet“. Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das am 30.Juni 2000 endete, habe Universal Music Deutschland dank starker internationaler Produkte seinen Marktanteil weiter ausgebaut. „Mit 26 % Marktanteil sind wir unangefochten weiterhin der Marktführer.“ Man habe „bewiesen, dass die neustrukturierte Gesellschaft noch erfolgreicher als früher am Markt operieren kann“.
Im Anschluß gab Mielke einen Ausblick auf den anstehenden Merger von Seagram, Vivendi und Canal Plus zur „Vivendi Universal“.Man gehe derzeit davon aus, dass der Merger Ende November/Anfang Dezember dieses Jahres über die Bühne gehen wird. „Für uns gilt für das neue Geschäftsjahr eigentlich das gleiche wie im letzten Jahr: wir wollen dem neuen Shareholder Vivendi Universal






