US-Gesetzgeber denken über Zensur nach

Konservative Politiker in den USA machen „gewaltverherrlichende Musik“ für die zunehmende Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen verantwortlich. Eine Senatsanhörung sollte Klarheit in die Angelegenheit bringen.

Auslöser der Debatte war das Attentat an der Columbine High School in Littleton, Colorado, bei dem am 20. April 15 Menschen ums Leben kamen. Berichten zufolge waren die beiden jugendlichen Attentäter Fans von Marilyn Manson und Rammstein.

Teile der amerikanischen Öffentlichkeit sehen darin einen Auslöser für die Gewalttat. Zehn Senatoren riefen deshalb am vergangenen Dienstag Vertreter aus der Musik- und Filmindustrie zusammen, um in einer Anhörung des Ausschusses für Handel, Wissenschaft und Transport gemeinsam mit Experten aus Psychologie, Kultur- und Medienforschung die Auswirkungen von gewalttätigen Inhalten auf jugendliche Konsumenten zu erörtern.

Keiner der Spitzenvertreter der Musikbranche, darunter Edgar Bronfman Jr. (Universal), Strauss Zelnick (BMG Entertainment) und Howard Stringer (Sony Corp.), folgte der Einladung. Hilary Rosen, Präsidentin des amerikanischen Phono-Verbandes RIAA, begründete ihr Fernbleiben: „Das ist doch nur ein politisches Schauspiel. Die Politik versucht, der Industrie eine moralische Verantwortung für das Massaker zuzuschieben, die wir jedoch keinesfalls haben.“

Der republikanische Senator Sam Brownback, Vorsitzender des Ausschusses, forderte als Ergebnis der Anhörung Edgar Bronfman, Seagram-Chef und damit auch Besitzer von Mansons Label Interscope, in einem Brief auf, „freiwillig Produktion, Vermarktung und Vertrieb von gewaltverherrlichender Musik“ einzustellen.

Der ehemalige Bildungsminister William Bennett bezeichnete das Fehlen von Vertretern der Industrie als „öffentliche Beleidigung“. Ein republikanisches Kongreßmitglied brachte inzwischen einen Gesetzesentwurf im Repräsentantenhaus ein, der Altersbegrenzungen für Musik vorsieht, die sich in ihren Texten mit Gewalt auseinandersetzt.

Indes entschloß sich Marilyn Manson, seine derzeit laufende Tour abzubrechen. Er machte jedoch die freie Verfügbarkeit von Schußwaffen für den Amoklauf der Teenager verantwortlich: „Die Medien stempeln die Musikindustrie zum schwarzen Schaf ab. Die anmaßende Behauptung, Künstler wie ich seien für die sinnlosen Gewaltakte dieser,goth kids‘ zu beschuldigen, entbehrt jeder Grundlage.“ In einer Stellungnahme von Interscope kondolierte auch der Rockstar den Angehörigen der Opfer.