Universal rüstet sich für Digitalvertrieb

Der weltgrößte Musik-Major, die Universal Music Group (UMG), bereitet sich intensiv auf das flächendeckende Online-Geschäft vor. Noch vor der Vollendung der Fusion mit Vivendi sollen Downloads, Online-Abos und Burn-On-Demand-Dienste etabliert werden.

Bei Universal Music bereitet man sich inzwischen eifrig auf das digitale Geschäft vor. Spätestens Mitte 2001, wenn die Fusion mit dem französischen Mischkonzern Vivendi bereits in allen Bereichen abgeschlossen sein dürfte, rechnen Beobachter mit ersten Musikangeboten auf dem Portal Vizzavi.com – einem Joint Venture zwischen Vivendi und und dem britischen Mobilfunkbetreiber Vodafone AirTouch. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die UMG in einem Testlauf mit 5000 Teilnehmern in den USA die Distribution von Musik im digitalen Abonnement erprobt.

Über 20.000 Songs aus dem UMG-Katalog sollen demnächst im Streaming-Verfahren an die Konsumenten übermittelt werden. Der Startschuss für eine ausgiebige Experimentierphase fiel aber bereits im August, als sowohl die US-Zentrale der UMG als auch ihre deutsche Dependence mit Pilotprojekten starteten. In Nordamerika verkauft das Unternehmen vorerst rund 60 Songs online über die Websites von Partnerfirmen (unter anderem BestBuy, Launch.com, Music.com, ARTISTDirect, Excite, Lycos und GetMusic). Später soll das Projekt auf die Märkte Großbritannien und Niederlande ausgedehnt und das Song-Repertoire erweitert werden. Zu den Highlights im Bluematter-Programm gehören Künstler wie George Benson, Luciano Pavarotti, Marvin Gaye, Blink 182 oder Smash Mouth.

Um das Angebot vor illegaler Vervielfältigung zu schützen, entwickelte Global e, die Entwicklungsabteilung der UMG für E-Business-Lösungen, zusammen mit InterTrust Technologies und Magex eine digitale Verpackungseinheit namens Bluematter. In diesem Paket befinden sich neben dem Songfile im AAC-Format (einer Weiterentwicklung von MP3) auch noch zusätzliche Daten wie Fotos, Texte oder Biographien. Außerdem implementierten die Software-Experten von InterTrust ihr Digital Rights Management, das die Bluematter-Pakete kopiersicher und rückverfolgbar macht.

Die Software für die Abrechnung liefert Magex. Allerdings ist das Angebot nur mit der Abspielsoftware von RealNetworks kompatibel und kostet pro Song 1,99 Dollar. Wenn man einen Durchschnitt von zehn Titeln pro Album als Grundlage annimmt, kostet ein Lonplayer per Download im Bluematter-Format also rund drei bis fünf Dollar mehr als ein regulärer Tonträger im stationären US-Handel. Als ebenfalls nicht immer kostengünstig erweist sich auch das E-Commerce-Konzept von Universal Music Deutschland: Bei Classics & Jazz können Konsumenten seit Anfang September auf Bestellung individuell gebrannte CDs bestellen, die unter Umständen zwischen 150 und 300 Mark kosten können.

Damit öffnete ein Major erstmals sein Archiv und machte vergriffenes Material durch Sonderpressungen wieder erhältlich. In den Hannoveraner Emil-Berliner-Studios lagert Universal rund 250.000 Originalasterbänder in digitaler Form und kann somit selbst die ausgefallensten Kundenwünsche erfüllen. Auf der Website www.classicsandjazz.de bietet die Firma also nicht nur die üblichen Informationen zum aktuell verfügbaren Repertoire an, sondern tritt auch als Verkäufer des eigenen Produkts auf – egal ob es sich dabei um aktives Katalogrepertoire oder um nicht mehr im Handel erhältliche Aufnahmen handelt.

Derzeit können Konsumenten aus über 20.000 Titeln von Labels wie Deutsche Grammophon, Decca, Philips, Verve, Impulse oder ECM auswählen. Dabei ist die reguläre Katalogware zu Preisen wie im stationären Handel erhältlich, lediglich das „Press-on-Demand“-Angebot kann im Einzelfall erheblich teurer werden. Die Lieferung der Ware soll dann innerhalb von zehn Tagen bei den Kunden sein, wobei die Sonderpressungen eine wertige Aufmachung durch ein Boxset mit audführlichem Booklet erhalten. Zu Classics&Jazz gehören auch noch die beiden eigenständigen Kanäle iClassics.de und iJazz.de, auf denen Freunde des jeweiligen Genres die für sie relevanten Produkte finden.