Im ersten Quartal des laufenden Jahres sieht es nach Angaben des Hauptverbands des deutschen Einzelhandels (HDE) für den gesamten Einzelhandel noch schlechter aus. HDE-Präsident Hermann Franzen erklärte auf der Jahrespressekonferenz am 13. April, daß die deutschen Händler mit teilweise zweistelligen Umsatzrückgängen ins Jahr gestartet seien. Nur ein starker März habe das erste Quartal erträglich gestaltet. Für dieses Jahr rechnet der HDE mit einer geringen Umsatzbelebung und einem Plus von einem Prozent. Christoph Hitzl, Mitinhaber des Plattengeschäfts Elpi in Münster, bestätigt die Zahlen der Verbände: „Die ersten Monate waren dürftig, der März war eindeutig besser. Da gab es mit den Alben von Blumfeld, Blur, Element Of Crime und Everlast wieder Veröffentlichungen, die speziell unsere Kunden ansprechen.“ Bodo Bochnig, Vorsitzender des Fachverbands Tonträger im Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte (GDM) Inhaber des Musiccenter in Wuppertal, möchte sich der HDE-Prognose nur bedingt anschliessen: „Viele Tonträgerhändler dürften auch im März ein zweistelliges Minus gemacht haben. Ein Ostergeschäft haben wir schon lange nicht mehr.“
Ben ijzendoorn, Inhaber von Ohrwurm Records in Miltenberg, plagt ein individuelles Problem: „Nach der Neueröffnung im November 1997 haben wir im vergangenen Jahr natürlich zugelegt, die Tendenz in diesem Jahr ist bislang aber eher negativ. Jetzt haben wir auch noch eine Baustelle direkt vor der Tür. Die behindert uns schon, und so rechnen wir für 1999 mit einem kleinen Minus.“ Horst Schweter, Werbeleiter bei jpc in Georgsmarienhütte, sieht die veröffentlichten Daten differenziert: „Dank unserer Werbemaßnahmen sieht es ganz gut aus, gerade im Internet-Handel verzeichnen wir deutliche Zuwächse. Bei den Filialen müssen wir aber noch etwas tun, da stagniert das Geschäft zur Zeit.“ Werner Will, Abteilungsleiter und zuständig für den Gesamteinkauf Klassik bei Ludwig Beck in München, kann die Zahlen der Verbände nicht bestätigen: „Nach unserem Rekordjahr 1998 sind auch die ersten Monate 1999 sehr gut gewesen. Die veröffentlichten Daten sind aber für den cleveren Ladeninhaber nicht wirklich interessant. Gerade die Händler haben die Möglichkeit, etwas zu tun und sind selbst schuld, wenn es ihnen schlecht geht.“
Auch WOM-Geschäftsführer Wolfgang Orthmayr kann die Angaben der Verbände nicht auf sein Unternehmen übertragen: „Die Zahlen für Januar und Februar treffen für uns nicht zu, auch im März hatten wir ein schönes Plus. Für 1999 liegt unsere Zuwachsprognose über einem Prozent, während der Markt schrumpfen wird.‘




