Umfrage zur hochkarätigen VÖ-Woche: Frust und Lust bei Top-Themen dicht beieinander

Die 21. Kalenderwoche brachte der Branche neun Neueinsteiger in den kumulierten Top 15. musikwoche.de fragte nach: Machte sich diese Welle aus hochkarätigen Veröffentlichugen beim Umsatz bemerkbar und wer schnitt am besten ab?

“Die großen VÖs helfen dem Fachhändler wenig“, stellt Albert Wagner, Geschäftsführer L&P Musics in Berlin, fest. „Das tun eher andere Alben wie zum Beispiel das von Nick Cave.“ Große Themen bereiten Wagner eher Sorgen, zum Beispiel kaufte er CDs von R.E.M. und Depeche Mode bei Fachmärkten für 20 und 21 Mark ein: „Das Problem ist, dass derzeit keiner Profit macht“, prangert er an. „Außerdem sind die Spannen, die wir erzielen müssen, schwierig zu halten. Bei R.E.M. haben wir es zunächst mit einem VK von 38 Mark versucht, aber das kauft kein Kunde. Bei weniger als 34 Mark mache ich dann keinen Profit mehr.“

Ähnlich sieht Alexander Markgraf, Inhaber aktiv Musik Plattenstübchen in Geisenheim, die Situation: „Das war ein kurzer umsatzträchtiger Aufheller, bis die Anzeigen von expert und Karstadt kamen, die die Highlights für 19,95 Mark und 21,90 Mark anboten. Damit waren diese Themen für uns gestorben.“ Markgraf bemängelt zudem fehlende Vorablieferungen: „Die Spedition lieferte die Ware erst gegen zwölf Uhr an, die Kunden fragten aber schon ab neun Uhr nach.“ Zu den Highlights im Plattenstübchen zählten neben R.E.M. und „Bravo Hits“ auch ein älterer Titel von Eva Cassidy.

„So eine Woche macht sich auf jeden Fall bemerkbar, zumindest bei den Stückzahlen“, berichtet Michael Kramer, Abteilungsleiter bei Saturn in Darmstadt. „Am besten schnitten bei uns R.E.M. ab, knapp gefolgt von Depeche Mode.“ Kramer bewarb beide Alben für 19,99 Mark. Weitere Angebote gab es unter anderem zu Gilberto Gil und Vanessa Mae: „Bei einer achtseitigen Beilage müssen schon ein paar Highlights dabei sein“, erläutert er.

„Das Album von Tool hat uns beim Umsatz herausgerissen“, so Klaus Georg Siemer, Mitinhaber von SiTo aktiv Musik in Lüneburg. „Dagegen fielen R.E.M. und Depeche Mode bei uns als Umsatzbringer weg, weil die Karstadt-Filiale rund 50 Meter weiter diese CDs unter EK anbot.“ Siemer gibt zu Bedenken, dass solche Preiskampagnen den Markt gefährden und die Wertigkeit der Musik in Frage stellen würden. Außerdem seien die Zeiten vorbei, in denen der Handel von einer starken VÖ-Woche profitierte.