Umfrage zum Weihnachtsgeschäft

Laut einer Zwischenbilanz des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels waren nach den ersten beiden Advents-Samstagen nur rund 60 Prozent aller Fachgeschäfte mit dem Umsatz zufrieden. MUSIKWoche fragte CD-Händler nach ihrem Dezember-Ergebnis.

“Wir liegen sehr knapp unter dem Vorjahresergebnis“, erklärt Ben Ijzendoorn, Inhaber von Ohrwurm Records in Miltenberg/Main. „Damit kann ich aber eigentlich nicht zufrieden sein, weil wir einen Verkaufstag mehr hatten als im Dezember 1998. Die Kunden entwickeln inzwischen eine neue Beziehung zur CD, was daran liegt, daß andere Verkaufsstellen die Tonträger verramschen.“ Ijzendoorn nennt auch die Hits der Saison: „Die Umsatzbringer kamen von Celine Dion und Andre Rieu. Bei uns lief auch Andrea Bocellis Album ‚Arie Sacre‘ sehr gut, aber als kurz vor den Feiertagen der Bestand zu Ende ging, war das Produkt kurzfristig nicht nachlieferbar.“ Keine Probleme mit Lieferungen hatte Hans Lambrecht, Merchandiser Musik und Video in der Zentrale der Karstadt Quelle AG, Essen: „Die Verfügbarkeit der CDs war in Ordnung.“ Die Saisonbilanz fällt laut Lambrecht besser aus als vorausgesagt: „Im Vergleich zu den Erwartungen verlief das Weihnachtsgeschäft erfreulich. 1999 war ein schwieriges Jahr; der Dezember zeigte sich aber besser als das Gesamtjahr. Gerade in den beiden Wochen vor und nach den Feiertagen gab es umsatzstarke Tage. Besonders gut entwickelten sich die Umsätze im Bereich DVD.“ Auch Yvonne Giglewicz, Filialleiterin bei jpc Versandhandels GmbH in Münster, zeigt sich mit ihren Umsätzen zufrieden: „Das Weihnachtsgeschäft lief ordentlich, gerade wenn ich berücksichtige, dass wir in der Stadt einige neue Mitbewerber haben. Beeindruckend war vor allem der starke zweite lange Samstag.“ Giglewicz berichtet, sie habe im Verhältnis zu den vergangenen Jahren mehr CDs einzelner Künstler verkauft und weniger Compilations wie „BravoHits“ und „KuschelRock“: „So eine Dichte an Alben im Pop-Bereich, die sich gleichmäßig verkauften, hatten wir lange nicht mehr. Dazu gab es auch im Klassik-Programm mit Titeln von Anne-Sophie Mutter, Cecilia Bartoli und Nigel Kennedy interessante Themen.“ Klaus Georg Siemer von SiTo aktiv Musik in Lüneburg verpaßte um wenige Prozentpunkte das Vorjahresergebnis: „Unsere Umsätze in den ersten beiden Wochen waren schwach, danach konnten wir stark zulegen, den Verlust gegenüber Dezember 1998 aber nicht mehr heraus holen. Vom Umsatz her sehr gut waren in diesem Jahr die 51. Woche und, wider Erwarten, auch der Heiligabend.“ Bei Siemer folgten auch im Anschluss an das Weihnachtsfest noch zwei Tage mit gutem Ergebnis, aber „danach steckten die Kunden ihr Geld wohl nur noch in Raketen.“ Unter dem Vorjahresumsatz blieb auch Klaus Uschmann, Filialleiter bei Elpi in Bochum: „Das Weihnachtsgeschäft 1998 lief für uns hervorragend – ein so gutes Ergebnis konnten wir diesmal nicht ganz erreichen. Trotzdem sind wir zufrieden, zumal viele Kunden nach den Feiertagen ihre Geldgeschenke bei uns in Tonträger umsetzten.“ Auch Uwe Naumann, Mitinhaber des Musikladens Arlt & Naumann mit zwei Filialen in Leipzig, verzeichnet ein Minus: „Das Weihnachtsgeschäft lief nicht so gut, aber mit weniger als fünf Prozent unter dem Vorjahr kamen wir glimpflich davon. Stärkere Umsätze im Bereich Vinyl konnten die Rückgänge bei den CDs teilweise abfedern.“ Naumann führt sein Ergebnis auf ein Problem der Branche zurück: „Wenn der Kunde eine CD für rund 35 Mark aus dem Fachhandel verschenkt, die wenig später bundesweit für 19,99 Mark in der Werbung steht, dann ist die Wertigkeit des Geschenks nicht mehr zu erkennen. Das ist beim Buch aufgrund der Preisbindung etwas ganz anderes. Diese Entwicklung macht das Weihnachtsgeschäft kaputt.‘