Umfrage: Kubanischer Sommer im Handel

Seit Wochen beherrschen die Veteranen des Buena Vista Social Club die Charts. Während sich Ferienlaune ausbreitet, fürchtet sich der CD-Handel vor dem Sommerloch. MUSIKWoche fragte: Retten die Kubaner den Sommer?

Den langfristigen Erfolg der Produkte unterstreicht Tom Dreyer, Bereichsleitung Einkauf in der Kieler WOM-Zentrale: „Mit den Kubanern haben wir schon lange Spaß. Seit Veröffentlichung des Albums Buena Vista Social Club am 4. Juli 1997 bis zum Ende des Jahres 1998 erreichten wir bundesweit einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Die CD war sogar in unseren Gesamtjahrescharts in den Top Ten.“ Dreyer sieht eine Verbindung zwischen den sommerlichen Temperaturen und dem Chartserfolg: „Läuft eine der beiden CDs in der Ladenbeschallung, fragt bei diesem Wetter jeder zehnte Kunde, was das denn wohl sei.“ Das bestätigt auch ein strahlender Gerhard Rühl vom Weltmusik-Anbieter Shirokko in München: „Der Erfolg des Buena Vista Social Club gibt meinen Kunden den Glauben an die Musik zurück. Wir verkaufen viele arabische und afrikanische Aufnahmen, aber die Kubaner übertreffen im Moment alles – ein Sommerloch haben wir hier nicht.“ Heinz Bross, Geschäftsführer von Rimpo in Tübingen, profitiert von dem Wim-Wenders-Film zum Thema und macht ein Geschäft mit dem Kinopublikum: „Seit der Film läuft, verkaufen wir von den Kubanern mehr als von allen anderen Titeln, etwa 800 Stück in sechs Wochen.“ Bross arbeitet sogar mit dem Kino zusammen: „Zum Filmstart legten wir 50 CDs an die Kasse und haben alle direkt verkauft.“ Yvonne Giglewicz von jpc in Münster sieht Kunden, die vor allem dem Trend folgen: „Viele kaufen die CDs, ohne recht zu wissen, was sie bekommen.“ Die Kubaner sind auch bei ihr schon länger ein Renner: „Nach unseren Verkaufszahlen müßte Ibrahim Ferrer schon seit vier Wochen ganz oben in den Charts stehen.“ Allerdings ebbt die Begeisterung bei Händlern mit Schwerpunkt auf der Weltmusik schon ab, wie Roman Hackel von Welt Record in Hamburg berichtet: „Meine Stammkunden winken inzwischen ab, wenn ich ihnen Neues aus Kuba zeige. Der Boom spricht jetzt eine ganz neue Klientel an. Kunden, die vorher nicht bei mir waren, sehen die Schaufenster-Deko, kommen herein und möchten kubanische Musik.“ Hackel setzt aber Hoffnung in diese Neukunden: „Es wäre schön, wenn einige wiederkommen würden.“ Thomas Collins-Glück vom Musikladen Frankfurt/M. findet es „lächerlich, daß alle Firmen jetzt CDs mit der Aufschrift ‚Kuba‘ auf den Markt werfen. Und vor zwei Wochen, als alle Kunden diese CDs wollten, konnte TIS/eastwest nicht liefern.“ Aber auch er betont die Bedeutung des Booms für nicht alltägliche Kunden: „Endlich ist eine CD für die Sleeper auf dem Markt. Ihr Kaufinteresse ist riesig. Die älteste Käuferin war eine 60jährige Dame, die vor 30 Jahren auf Kuba war und schon damals diese Musik gern hörte.“