Umfrage in Sachsen zu längeren Öffnungszeiten

Sachsen möchte die Ladenschlußzeiten lockern. MUSIKWoche fragte: Längere Öffnungszeiten als Umsatzmotor, geht diese Rechnung auf? Der Plattenhandel reagiert skeptisch.

Die sogenannte Fremdenverkehrsregelung sieht vor, daß Geschäfte in Ausflugsorten – dazu zählen auch Leipzig, Dresden und Chemnitz – vom 15. April bis 23. Dezember an Samstagen bis 20 Uhr sowie Sonn- und Feiertags von 11 bis 18.30 Uhr öffnen dürfen. „Damit können wir unseren Gästen endlich den Service bieten, den sie im Ausland und in den deutschen Seebädern bereits gewöhnt sind“, schwärmt Kajo Schommer (CDU), Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit. Als Vorsitzender des Fachverbands Tonträger im GDM sieht Bodo Bochnig die Regelung mit gemischten Gefühlen: „In Ausflugsstädten kann das etwas bringen. Allerdings führt es zu einem Kaufkraftschwund bei kleineren Händlern in kleineren Städten. Dazu sehe ich das Problem, daß beim Verbraucher die Unsicherheit erhöht wird, wann die Läden geöffnet sind. Ich bin nicht in der Position, anderen Empfehlungen zu geben, aber grundsätzlich rate ich jedem Einzelhändler, zu öffnen, wenn es die Mitbewerber in derselben Stadt tun.“ Diesem Rat folgt Heinz Putz, Inhaber Musikhaus Charts in Chemnitz, nicht: „Wir richten uns nicht danach, ob andere öffnen. Aber es ist wichtig, gemeinsame Öffnungszeiten durchzusetzen. Und es ist interessant, geöffnet zu haben, wenn zahlungskräftige Kunden Freizeit haben, also am Wochenende.“

Positiv sieht Wolfgang Spornitz, stellvertretender Geschäftsführer von Saturn im Hauptbahnhof Leipzig, die Situation: „Wir können es uns nicht leisten, nicht mitzumachen. Bei unserer Lage würden wir von neuen Öffnungszeiten profitieren.“ Skeptischer sieht Uwe Naumann, Mitinhaber vom Musikladen Leipzig, die Regelung: „Bei nochmaliger Verlängerung der Öffnungszeiten muß ich das Handtuch werfen. Die Kaufkraft ist in Sachsen nicht so groß, daß ich damit rechnen könnte, mehr Umsatz zu machen.“ Frank Ullrich, Verkaufsleiter MediaMarkt Dresden-Prohlis, glaubt nicht an die Umsetzung der Regelung: „Das Potential unserer Kundschaft ist mit den bisherigen Öffnungszeiten ausgereizt. Zudem ist im September Landtagswahl, bis dahin passiert kaum etwas. Alles weitere sollten wir abwarten.“

Ähnlich äußert sich Hubertus Pellengahr, Pressesprecher beim Hauptverband des deutschen Einzelhandels: „Die Regelung sorgt für eine Vergrößerung des Flickenteppichs in der Handelslandschaft und für verstärkte Wettbewerbsverzerrung. Das ist weder im Sinne des Handels noch der Verbraucher. Das IFO-Gutachten zur Verlängerung der Ladenöffnungszeiten, mit dem wir spätestens im Herbst rechnen, sollte als Basis für die weitere Diskussion abgewartet werden. Jetzt dient alles dem Versuch, sich als Liberalisierer zu profilieren.“