Umfrage der Woche: CDs bei McDonald’s

McDonald’s verkauft seit dem 9. Oktober drei verschiedene Doppel-CDs, die Sony Music Media für die Fast-Food-Kette zusammenstellte. MUSIKWoche fragte Händler: Wie stehen Sie zu dieser Kooperation?

“Wir haben die Sachlage intern heftig diskutiert“, berichtet Arne Adrian, Geschäftsleiter beim Großhändler JTV – Jora Tonträger und Medien Vertriebs GmbH in Bremen. „Etwas ähnliches gab es schon vor etwa zwei Jahren zwischen Virgin und McDonald’s, aber Sony stößt hier eine neue Tür auf: Mit Sabrina Setlur und Xavier Naidoo bietet das Unternehmen topaktuelle Künstler auf Doppel-CDs zu 9,95 Mark an. Es fällt mir schwer zu verstehen, warum einerseits eine,KuschelRock‘ im Preis steigt, während andererseits sehr gute Qualität zu so einem Kurs abgegeben wird.“

Christopher Steffek, Projektleiter Tonträger Einkauf/Vertrieb bei Media Markt & Saturn Verwaltungs GmbH in Ingolstadt, sieht die Sachlage ebenfalls kritisch: „Es ist ein offenes Geheimnis, daß wir mit so einer Kooperation nicht glücklich sind.“ Günter Kösters, Filialleiter bei Das Ohr in Münster, zeigt Verständnis und versetzt sich in die Lage der beteiligten Unternehmen: „Wenn sich auf dem Markt, auf dem ich normalerweise mein Geld verdiene, wenig bewegt, dann sehe ich mich nach etwas anderem um. So eine Kooperation ist ein einfaches Marketinginstrument, da gibt es zumindest keine Retouren.“ Er hat auch eine nicht ganz ernst gemeinte Idee, wie er reagieren könnte: „Wir haben im Eingangsbereich noch etwas Fläche frei, die sollten wir an eine Imbissbude vermieten.“

Steffen Böttcher, zuständig für Ein- und Verkauf beim aktiv-Geschäft Musikmarkt West End in Grimma, relativiert die Bedeutung der Situation: „Es kooperieren doch alle irgendwie.“ Als Beispiel verweist er auf zahlreiche Budget-Produkte, die auf alternativen Vertriebswegen in den Handel kommen. Böttcher kritisiert die dadurch zunehmende Konkurrenzsituation: „Wir haben hier in direkter Nähe schon Mitbewerber wie Kaufland – als kleiner Händler können wir es uns nicht leisten, Kunden auch noch an andere Anbieter zu verlieren.“ Einen ähnlichen Standpunkt vertritt auch Joachim Neitzel, Inhaber von vier Geschäften unter dem Namen aktiv Disco Schallplatten in Düsseldorf und umliegenden Städten: „Für den Fachhandel sind solche Kooperationen unangenehm, weil sie uns Kaufpotential entziehen. Wir können es uns aber nicht leisten, etwas dagegen zu unternehmen. Dafür braucht man ein großes Polster.“

Einen thematisch ähnlich gelagerten Aspekt betont dagegen jpc-Geschäftsführer Gerhard Georg Ortmann: „Ich finde es viel schlimmer, daß,Hours…‚, das neue Album von David Bowie, schon zwei Wochen vor der Veröffentlichung über das Internet zu haben war. Das ist eine unlautere Art, einen neuen Vertriebsweg zu etablieren.‘