Umfrage bei Mailorderversänden: Zuwächse durch Internetangebote

Eine Alternative zum Plattenladen bieten die klassischen Mailorderversände, die oft auch mit raren Angeboten überzeugen, die im Geschäft nicht oder schwer zu bekommen sind. Auftrieb spüren die Versandhandelsfirmen durch die Möglichkeiten des Internet.

Horst Schweter, Werbeleiter vom Großanbieter JPC Schallplatten in Georgsmarienhütte, berichtet, dass sein Unternehmen momentan Rekordergebnisse im Versandhandel einfährt. So habe sich auch das Umsatzvolumen der Firma zugunsten des Mailordergeschäfts verschoben: „Vor fünf Jahren lag der Umsatz im Versandhandel etwa gleich wie der unserer Ladenkette, mittlerweile beträgt das Verhältnis Mailorder/Läden 60 zu 40.“

Maßgeblich verantwortlich dafür sei das E-Commerce-Angebot im Internet unter www.jpc.de, das seit 1996 besteht. Hier kann der Kunde im Komplettprogramm des Unternehmens unter mehr als 650.000 Tonträgern, VHS-Videos, DVDs und Büchern auswählen. Pro Monat verzeichnen die Online-Seiten von jpc mittlerweile rund 600.000 Besucher – das sind rund doppelt so viele wie noch vor einem halben Jahr. An Spitzenwochenenden gehen übers Netz bis zu 6500 Bestellungen ein.

Einen nicht unerheblichen Anteil macht mittlerweile das Auslandsgeschäft aus, das durchs Internet kräftig belebt wurde und mittlerweile sechs Prozent des Umsatzes beträgt. „Zu unseren Kunden gehört auch Peter Noone, Sänger der bekannten Sixties-Band Herman’s Hermits, der sich Wiederveröffentlichungen seiner eigenen Platten von uns nach Kalifornien schicken lässt, weil er sie bei uns am günstigsten bekommt“.

Reinhard Holstein, Geschäftsführer von Glitterhouse Mailorder, ging mit seiner Firma im März dieses Jahres ins Netz (www.glitterhouse.de) und verzeichnet seither einen Kundenzuwachs von 20 Prozent. Dieses Ergebnis habe die Erwartungen an den Online-Start noch übertroffen.

Auch bei Glitterhouse bestellen zunehmend Musikliebhaber aus dem Ausland: „Für Engländer und Franzosen sind viele Produkte trotz der Versandkosten bei uns günstiger als in ihren Heimatländern. Auch in den USA und Japan konnten wir übers Internet neue Kunden gewinnen“, berichtet Holstein. Es helfe hierbei schon, dass die Internetadresse auf den Platten des eigenen Glitterhouse-Labels aufgedruckt sei.

Zudem weist die Firma im weltweit von Musikliebhabern gelesenen „Mojo‘-Magazin“ auf ihre Homepage hin. Die Hauptvorteile des Internet lägen vor allem darin, dass der vorwiegend auf Singer/Songwriter, Folk-, Country- und Alternative-Rock-Angebote spezialisierte Versand online kein Platzproblem wie beim gedruckten Katalog habe. „Wir können im Netz das gesamte vorrätige Angebot von rund 10.000 Tonträgern vorstellen und auch noch viel ausführlichere Infos zu den Platten und Künstlern dazu liefern, bei ausgewählten Highlights auch mit Soundfiles.“

Ein Geheimnis des Erfolgs von Glitterhouse liege nämlich darin, dass die Kunden der Kompetenz von Holstein und seinem Team vertrauen und eben auch gerne mal Titel von noch völlig unbekannten Künstlern mitbestellen, wenn sie ihnen ausführlich beschrieben und wärmstens empfohlen werden.

Ebenfalls etwa 10.000 Titel – darunter neben Tonträgern auch Fanzines – bietet die Firma Normal unter www.normalmailorder.de an. Das Unternehmen ist laut Geschäftsführer Matthias Gantz seit 1998 im Netz vertreten. „Die Umsätze steigen seit April/Mai dieses Jahres spürbar, weil wir auch verstärkt mit Anzeigen in,Spex‘,,Intro‘ und,Debug‘ werben und Musikfans über Suchmaschinen auf uns stoßen wenn sie etwa einfach nach,Vinyl‘ suchen.

Vinyl mache bei Normal nämlich rund 40 Prozent des Geschäfts aus – vor allem Maxis im Dance- und HipHop-Berich, „aber die alten Fans freuen sich auch, wenn sie bei uns die neue Beatles, Dylan oder Neil Young auf Vinyl finden“. Normal biete jetzt übers Netz ein breiteres Spektrum und habe neben den Dance, HipHop und Alternative-Angeboten jetzt auch mehr Titel aus dem Mainstream-Bereich im Programm. Die Netzkunden bestellen laut Gantz gerne in den späten Abend- und Nachtstunden, wenn sie „gemütlich bei einem Glas Wein“ im Angebot von Normal stöbern. Der Backkatalog mache rund 30 Prozent des Geschäftsvolumens aus.