Der monatlich erscheinende Digital Media Report von Jupiter MMXI weist für Januar 2001 den Online-Musiktauschdienst Napster an 13. Stelle der Reichweitenanalyse von Web-Angeboten in Europa aus. Derzeit nutzen rund fünf Millionen Europäer das umstrittene Angebot. Dabei untersuchte Jupiter auch die Online-Märkte in den sieben Schlüsselländern in Europa, wobei sich die Daten auf sogenannte Home-User beschränken.
Demzufolge rangiert Napster in Deutschland nur auf Platz 25: Von fast zwölf Millionen Usern, die Digital-Media-Angebote im Januar nutzten, verfügen inzwischen 1,23 Millionen über die Napster-Software. Das entspricht einer Reichweite von 10,2 Prozent. Damit liegt Deutschland im europaweiten Vergleich auf Rang drei.
Spitzenreiter ist Spanien, wo sogar 21,6 Prozent der User auf Napster zugreifen. Danach folgt Italien mit einer Napster-Reichweite von 15,6 Prozent. Damit ist Napster in Teilen Europas prozentual erfolgreicher als in den USA, wo der Dienst eine Reichweite von 14,1 Prozent hat. In Großbritannien kommt Napster lediglich auf einen Wert von 5,2 Prozent.
Auch bei der Verweildauer schlug sich der Service beachtlich. Deutsche User blieben im Januar durchschnittlich 125 Minuten lang bei napster.com. Zum Vergleich: eBay.de verbuchte 163, der Finanzanbieter Diraba.de 120 Minuten.
„Der Erfolg des Modells Napster in ganz Europa ist vor allem daran ablesbar, dass ein auf Musik spezialisiertes Angebot mehr Nutzungszeit auf sich vereinigen kann als viele breiter aufgestellte Angebote“, kommentiert Thomas Pauschert, Geschäftsführer von MMXI Deutschland.
Eine so starke Bindung gelte als ideale Ausgangsbasis für B2C-Geschäfte. Allerdings werde Napster auch mit seinem neuen Geschäftsmodell Probleme haben, den riesigen Nutzerstamm zu halten, so Mark Mulligan, Music Analyst bei Jupiter MMXI. Bei den europäischen Nutzern ließe sich eine zweigeteilte Typologie beobachten: Die Hälfte der Nutzer sind Unter-24-Jährige, die ein Abo-Modell ignorieren werden. Die anderen 50 Prozent sind ältere Nutzer mit höheren Einkommen. Dabei ist auffällig, dass unter allen Napster-Usern nur 23 Prozent weiblich sind.
Um zu verhindern, dass ein großer Teil der jetzigen Nutzer nach Einführung des neuen Modells zu anderen kostenlosen Musikangeboten abwandert, empfiehlt Mulligan: „Napster sollte freie Angebote beibehalten, zum Beispiel mit niedriger Tonqualität oder beschränkten Inhalten. Das würde die junge Zielgruppe bei der Stange halten und die zahlungswillige Kundschaft würde dieses Angebot ohnehin nicht interessieren.‘





