“Trama steht für moderne brasilianische Musik“, erklärt Frank Hessing von der Firma MusiConsult, der das Label in Europa repräsentiert. „Von Anfang sollte sich Trama als hochklassiges Label abseits vom Mainstream etablieren. Man dachte dabei durchaus elitär und konzentrierte sich auf junge, moderne und anspruchsvolle brasilianische Künstler unter Ausschluss massentauglicher Genres wie Axé Music oder Música Sertaneja.“
Das Label wurde 1998 in São Paulo von der brasilianischen VR-Unternehmensgruppe (Jahresumsatz: zwei Milliarden USDollar) und dem Musiker-Producer João Marcello Bôscoli gegründet.
Junge Talente und Veteranen
Bôscoli ist der Sohn der legendären Sängerin Elis Regina. Innerhalb kürzestes Zeit konnte Trama auf dem brasilianischen Markt Fuß fassen. Der Indie nahm nicht nur den von Tortoise kultisch verehrten Tropicalia-Veteran Tom Zé unter Vertrag, sondern auch hoffnungsvolle Talente wie Soulfunk-Brother Max De Castro, der D“Angelo zu seinen wichtigsten Einflüssen zählt.
Trama besitzt eine eigene HipHop-Abteilung und kann mit Thaíde & DJ Hum zwei gefeierte Protagonisten der urbanen Rap-Szene vorweisen. „Sambaloco“ (der verrückte Samba), das von Trama betriebene Electronic-Label, setzt mit M4J und international bekannten Turntable-Spezialisten wie DJ Patife und DJ Mau Mau wichtige Akzente in der brasilianischen Electronica-Szene.
„Wir werden Trama sukzessive aufbauen und als Marke etablieren“, so Hessing. „Der europäische Brückenkopf steht bereits. Wir haben mit Coast To Coast, unserem Partner in Holland, einen Fullfillment-Deal geschlossen. Er presst die CDs für Europa, zahlt die Copyrights, lagert und liefert die Produkte an unsere Vertriebspartner. Damit fallen die sonst üblichen langen Wartezeiten und Zollformalitäten bei Brasilienimporten weg.“ Jeder Vertriebspartner kann eigenständig bestimmen, welche Künstler er veröffentlichen will und hat zudem die Option, Titel zu lizenzieren.
„Das Trama-Repertoire stellt eine spannende Erweiterung unseres Brasilienkataloges dar,“ erklärt Jens Ullrich, Labelmanager bei UMIS. „Die ersten Alben kommen Ende Mai. Zu jeder Veröffentlichung stehen ein oder zwei Videos zur Verfügung. Eine Promotionagentur übernimmt die Bemusterung der Journalisten.“ Zu den Schwerpunkten zählt „Lembranças“, das letzte Album der im September verstorbenen Bossa Nova-Legende Baden Powell.
Namensrechtliche Probleme mit „Otto“
Neben dem Album „Flash“ des wohl meistbeschäftigten Percussionisten der brasilianischen Studioszene, Marcos Suzano, zählt auch die Soul-Samba-Entdeckung Jairzinho Oliveira zu den Favoriten. Hessing: „Beim Londoner Radio Jazz FM war Oliveira im Februar zwei Wochen lang die Nummer eins. Der Künstler ist einer unserer Key-Releases.“
Lediglich der gefeierte Avantgardist Otto aus Recife, der 1999 den brasilianischen MTV-Award gewann, bekam namensrechtliche Probleme mit einem bekannten deutschen Spaßvogel. „Herr Walkes hat offenbar doch nicht so viel Humor“, wundert sich Hessing. „Er ließ durch seinen Anwalt erklären, dass unser Künstler seinen Namen ändern müsse. Wir fragen uns allerdings, ob Walkes ernsthaft darauf bestehen kann, dass unser Otto sich hierzulande umtaufen muss.‘





