Tote Hosen sorgen für Belebung im Handel

In eher schwierigen Zeiten ist das Weihnachtsgeschäft für den Tonträgerhandel wichtiger denn je. MUSIKWoche fragte Fachhändler, welche Zwischenbilanz sie nach den ersten beiden langen Advents-Samstagen ziehen.

Joachim Neitzel, Inhaber von Disco Schallplatten in Düsseldorf, berichtet von einem „sehr guten zweiten Adventswochenende, wobei vor Nikolaus die Kindertonträger sehr gut gingen. Ansonsten liefen unter anderem Klassik-Titel wie,Die vier Jahreszeiten‘ mit Anne-Sophie Mutter zufriedenstellend. Und hier in Düsseldorf ist die Nachfrage nach,Unsterblich‘ von den Toten Hosen natürlich sehr groß.“ Insgesamt liege der Saison-Umsatz allerdings bislang um zehn Prozent unter dem Vorjahresergebnis. „Damit ist der Abwärtstrend aber deutlich geringer als in den Vormonaten.“ Thomas Lienenbröker, Co-Fillialleiter bei ELPI Aktiv Musik in Krefeld, konstatiert die traditionelle Belebung im Advent, der Umsatz betrage allerdings „etwas weniger als im letzten Jahr“. Dennoch zeigt er sich „einigermaßen zufrieden.“ Besonders gut laufen laut Lienenbröker aktuelle Charts-Titel wie die Alben von Metallica und Celine Dion. „Bei den Maxis ist Stefan Raab der Renner, gnadenlos gut geht auch,Irgendwie, irgendwo, irgendwann‘ von Jan Delay.“ Wolfgang Orthmayr, Geschäftsführer WOM, ist enttäuscht: „Wir leiden darunter, daß sich viele Konsumenten vom vorgezogenen Weihnachtsgeld den Aldi-Computer holten und jetzt kein Geld mehr für CDs übrig haben.“ Zudem sei durch die Praxis der Dumpingpreise beim Konsumenten „ein angemessenes Wertempfinden gegenüber Musik“ verloren gegangen. „Und diejenigen, die dafür verantwortlich sind, klagen jetzt auch noch am meisten über Absatzprobleme“. Walter Klok, Verkaufsleiter Tonträger bei Saturn Hamburg, berichtet, daß „die erfolgreichen Aktionswochen nach der Eröffnung der Filiale vor eineinhalb Monaten nahtlos ins Weihnachtsgeschäft übergingen. Wir können den Kundenansturm kaum bewältigen. Ganz stark ist das neue Album der Toten Hosen angelaufen. Weitere Umsatzgaranten sind Metallica und Celine Dion.“ Sehr groß sei auch die Nachfrage nach DVDs, „wobei wir aufgrund von Lieferengpässen seitens der Industrie nicht alle Wünsche erfüllen können.“ Bei Rimpo Tonträger in Tübingen ließ der Andrang laut Disponent Heinz-Rüdiger Bross am zweiten langen Samstag aufgrund des schlechten Wetters nachmittags stark nach. „Insgesamt liegen wir dennoch etwas besser als im Vorjahr, wo sich das Geschäft sehr auf die letzten beiden Wochen vor dem Fest konzentrierte. Es zahlt sich aus, daß wir als Einzelhändler kompetent beraten und auf Kundenwünsche eingehen. So sind wir trotz aggressiver Werbe-Kampagnen der großen Märkte nicht unzufrieden. Zu unseren Highlights zählt Keith Jarrett, aber auch der Geheimtip Manu Chao, das neue Projekt des früheren Sängers von Mano Negra. Auch der Kuba-Boom zieht wieder an.“ Dieter Fischöder, Geschäftsführer vom amm-Händler music-arts in Hanau, profitiert vom Umzug seines Geschäfts „von einer 1b in eine 1a-Lage. „Dadurch haben wir einen guten Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Am stärksten gefragt ist das neue Album von Bodo Bach, sehr gut geht auch die Weihnachts-Maxi von Mundstuhl. Insgesamt ist die Nachfrage nach Charts-Themen derzeit eher entäuschend. Wir können es uns eben nicht leisten, Ware unter Einkaufspreis abzugeben.“ Dafür laufen Back-Katalog-Themen in allen Segmenten laut Fischöder sehr gut. „Die Kunden wissen zu schätzen, daß wir einen guten Service bieten und ihnen nicht vorrätige Titel sofort bestellen“.