Tonträger-Piraterie: Sorgenkind Osteuropa

Die deutsche Landesgruppe der IFPI meldet in ihrem aktuellen Pirateriebericht erfreuliche Zahlen. Mit nur 115.000 unautorisierten Tonträgern erreichte die Summe der sichergestellten Tonträger in 1999 ihren vorläufig tiefsten Stand. Als Grund für diese niedrige Zahl nennt die IFPI den über Jahre aufgebauten Ermittlungsdruck auf das illegale Gewerbe. Clemens Rasch, Justiziar der IFPI, äußert sich zur Bedeutung der Piraterie in Presswerken.

Im Pirateriebericht 1999 der IFPI heißt es, dass im Bereich der traditionellen Tonträgerpiraterie eine Beruhigung eingesetzt hat. Welche Wege schlagen die Raubkopierer jetzt ein?

Clemens Rasch: Im Bereich der traditionellen Tonträgerpiraterie können unser Ermittlungsdienst und die Strafverfolgungsbehörden jetzt die Früchte der Arbeit der vergangenen Jahre ernten. Offensichtlich ist es für die Musikpiraten zu riskant geworden, Piraterieprodukte in großen Auflagen herstellen zu lassen und sich damit der Gefahr auszusetzen, bei Durchsuchungen durch das Auffinden hoher Mengen überführt zu werden. Musikdiebstahl findet heute zunehmend in dezentralen Strukturen statt, in denen auf eine Großserienfertigung und die damit verbundene Lagerhaltung verzichtet wird.

Welche Umsatzverluste erleidet die deutsche Musikindustrie durch Raubkopierer?

Rasch: Im Jahre 1999 haben gewerbsmäßige Täter die deutsche Musikindustrie durch die Herstellung von schätzungsweise fünf Millionen Piraterietonträgern geschädigt. Das entspricht einem Anteil von 1,8 Prozent aller verkauften Tonträger oder, anders ausgedrückt, Umsatzverlusten in Höhe von 95 Millionen Mark.

Welche Rolle spielt Piraterie in den Presswerken? Welche Länder können da genannt werden?

Rasch: Sorge bereitet uns besonders die Fertigung in Presswerken, die sich in Litauen und in der Ukraine befinden. Die dortigen gesetzlichen Regelungen reichen nicht aus, um unlizenzierte Produktionen vor Ort unterbinden zu können. Dies hat zur Folge, dass eine Bekämpfung des Musikdiebstahls erst einsetzen kann, wenn die unlizenzierten Produkte die Grenzen dieser Staaten überschritten haben. Es ist daher verstärkter politischer Druck auf die Regierungen dieser beiden Staaten erforderlich, um derartige Produktionen schon an der Quelle stoppen zu können.

Welche Maßnahmen ergreift die IFPI gegen die Raubkopien aus dem Ausland?

Rasch: Die IFPI hat in den letzten Jahren auf nationaler und internationaler Ebene enorme Anstrengungen unternommen, dem Problem der grenzüberschreitenden Musikpiraterie Herr zu werden. Auf nationaler Ebene hat sich insbesondere die gute Zusammenarbeit mit den Zollbehörden bewährt, sowohl bei der Grenzbeschlagnahme als auch bei der Fahndung nach den Hintermännern. International hat die IFPI nicht zuletzt durch erhebliche finanzielle Investitionen die internationale Ermittlungseinheit in Personal und Ausrüstung stark ausgebaut.

Gibt es auch in Deutschland Fälle von Piraterie in Presswerken?

Rasch: Musikpiraterie ist nicht nur ein internationales Problem, sondern hat auch starke nationale Ausprägungen. So ist das Phänomen der so genannten „Disco-Mixes“ im Ausland weitgehend unbekannt. Besonders im Zusammenhang mit derartigen nationalen Piraterieprodukten hat es auch deutsche Presswerke gegeben, die in Pirateriefälle verwickelt waren. Die Existenz derartiger schwarzer Schafe ändert jedoch nichts daran, dass in der großen Mehrzahl der deutschen Presswerke ein hoher Standard an Sorgfalt bei der Prüfung urheberrechtlicher Sachverhalte aufgewandt wird.

Was unternimmt die IFPI gegen die hiesige Piraterie?

Rasch: Die deutsche Landesgruppe der IFPI hat sich nicht nur die Verfolgung von Tonträgerpiraterie auf die Fahnen geschrieben, sondern ist insbesondere in der Zusammenarbeit mit Presswerken auch vorbeugend tätig. Wir helfen durch Information und rechtliche Beratung den Presswerken, ihre urheberrechtlichen Sorgfaltspflichten zu erfüllen und damit nicht zuletzt auch ein eigenes Haftungsrisiko auszuschließen.

Welche Schwerpunkte setzt sich die IFPI im Bereich Piraterie in der Zukunft?

Rasch: Nach wie vor ist es erforderlich, durch ständige Marktkontrolle die Musikpiraterie auf niedrigem Stand zu halten. Daneben stellen die neuen Piraterieformen durch das illegale Brennen von CDs am PC sowie die Internetpiraterie neue Herausforderungen an unsere Arbeit dar, denen wir offensiv begegnen werden.