Die Entscheidung der Federal Communications Commission (FCC) zugunsten des Mergers setzt den Schlusspunkt unter ein in den Medien: die Genehmigung der Elefantenhochzeit. Mit der FCC gab auch die zweite US-Regulierungsbehörde ihre Zustimmung – allerdings nur unter . Zuvor hatten bereits am 11. Oktober 2000 die EU-Kommission für Wettbewerbsfragen unter Mario Monti und am 14. Dezember 2000 die Federal Trade Commission (FTC) ihr Plazet gegeben.
Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Deals war die Fusion gemessen an den Akteinkursen der Unternehmen rund 165 Milliarden Dollar wert; ein Jahr später sind es noch 106 Milliarden Dollar. Unverändert bleibt das Tauschverhältnis der Anteile: Time-Warner-Aktionäre erhalten für jede ihrer Shares 1,5 Aktien von AOL Time Warner, AOL-Anteilseigner wechseln zum Kurs 1:1. Dabei halten letztere künftig 55 Prozent des neuen Konzerns.
Verbraucherverbände forderten schon sehr früh eine genaue Prüfung dieses Zusammenschlusses, weil sie befürchteten, dass im Zukunftsmarkt Online-Entertainment zuviel Marktmacht in einer Hand liegen könnte. Die Kartellwächter in Brüssel und Washington nahmen sich deshalb offenbar besonders viel Zeit, um die Potenziale im Wachstumssegment Internet zu durchleuchten. Heraus kam ein Bündel an Konzessionen, das die beiden Partner nun in den kommenden Jahren mit sich schleppen müssen. Aus heutiger Sicht ist zwar noch nicht eindeutig zu erkennen, ob bestimmte Einschränkungen wie zum Beispiel beim Instant Messaging Service von AOL überhaupt zu einer Marktregulierung führen werden, doch einige der Fusionsbedingungen bereiteten AOL und Time Warner erhebliche Kopfschmerzen.
So zum Beispiel die Geschäftsbeziehung zur Bertelsmann AG: Einst Partner bei AOL Europe und AOL Australia, besteht zwischen den beiden Konzernen inzwischen nur noch eine strategische Partnerschaft, die ein Höchstmaß an Kooperation nicht überschreiten darf. Die bitterste Pille, die AOL-Chef Stephen Case und Time-Warner-Boss Gerald Levin schlucken mussten, war jedoch die Forderung der amerikanischen Kartellwächter, das Breitband- und Kabelfernsehnetz von Time Warner auch für konkurrierende Internet Service Provider (ISP) zu öffnen. Da die für schnelle Medienübertragungen im Internet erforderlichen Bandbreiten außer über DSL-Telefonleitungen vornehmlich über TV-Netze erreicht werden können, kommt dem Marktführer Time Warner Cable mit seinen Tochterfirmen künftig stärkere Bedeutung zu.
Die Regulierer wollten verhindern, dass AOL Time Warner diesen Zugang zum Hochgeschwindigkeits-Internet mit seinen Inhalten verstopft. Als erstes Entgegenkommen schloss Time Warner Cable Ende November 2000 einen Vertrag mit dem zweitgrößten ISP in den USA, EarthLink. Bis Mitte März muss AOL Time Warner noch zwei weitere ISPs präsentieren, die das Kabelnetz nutzen wollen. Dabei darf laut FTC die Preisgestaltung für den Zugang „nicht diskriminierend“ sein, sprich: sie muss sich an der aktuellen Marktsituation orientieren.
Ein weiteres Ärgernis für die Fusionspartner entstand im März, als bekannt wurde, dass Software-Experten der AOL-Tochterfirma Nullsoft ein Tausch-Angebot namens Gnutella entwickelten und es unverschlüsselt ins Netz stellte. Der Unterschied zu Napster: Es gibt keine zentrale Serverstruktur, anhand derer man nachverfolgen könnte, wer was mit wem tauscht. AOL distanzierte sich sofort von den Nullsoft-Ingenieuren und betonte, dass diese nicht authorisiert gehandelt hätten.
Die nächste Aufgabe für Steve Case und sein Team wird sein, die unterschiedlichen Firmenstrukturen einander anzupassen. Reibungsverluste werden sich kaum vermeiden lassen: Insider gehen von bis zu 1000 Entlassungen aus. Zumal das Management ein Gewinnwachstum von 30 Prozent anstrebt. Für das Jahr 2000 erwarten die Analysten einen gemeinsamen Pro-Forma-Umsatz von rund 36,8 Milliarden Dollar.
der milliarden-coup…
… ist endlich perfekt. Lange musste Steve Case warten, bis sein Traum, der größte Medienanbieter im Internet zu werden, wahr wurde. Am Tag der letzten erforderlichen Zustimmung ging auch bereits die Website des neu entstandenen Konzerns online: Unter aoltimewarner.com konnte man dort sogleich erfahren, dass der Kundestamm von AOL nun die Grenze von 27 Millionen Abonnenten überschritten hat. Außerdem lässt sich dort nachlesen, welche rasante Entwicklung AOL in den Jahren 1992 bis 2000 nahm: Damals erzielten 250 Angestellte einen Jahresumsatz von 30 Millionen Dollar; im letzten Jahr waren es 6,9 Milliarden Dollar mit über 14.000 Mitarbeitern. 1995, als Case ankündigte, er würde mit AOL in zehn Jahren das sein, was Microsoft für die Software-Industrie ist, erwiderte Bill Gates: „Ich könnte 20 Prozent von Ihnen übernehmen oder ich könnte Sie ganz aufkaufen. Ich könnte aber auch selbst in Ihren Geschäftsbereich einsteigen und Sie begraben.“ Die nächsten fünf Jahre versprechen also Spannung.






