Thomas M. Stein zur „digitalen Herausforderung‘

Positiv beurteilt, President , die neuen Chancen durch das Internet. Das betonte er im Rahmen der BMG-Jahrestagung.

In einer Grundsatzrede zum Thema „Digitale Herausforderung“ meinte Stein, das Internet werde die gesamte Entertainment-Branche drastisch verändern. Der Point Of Sale werde sich verlagern, und zwar hin zum „Point Of Living“; der Musikkäufer werde also von seinem Zuhause aus das Internet als Vertriebskanal nutzen. „Ungeachtet aller Ladenschlußzeiten kann der Kunde ungestört in Titel hineinhören und gleichzeitig Infos über Künstler beziehen“, sagte Stein. „Einen Mausklick später liegt die bestellte Ware schon im Einkaufswagen. Diese neue Art des bequemen Musikkaufs wird sich rasch herumsprechen und viele bisherige Nichtkäufer dazu einladen, sich doch mal eine CD zu kaufen.“ Dabei lag die Betonung auf „Nichtkäufer“, denn der herkömmliche Plattenhandel werde weiterhin eine Rolle spielen: „Der Händler hat seine Kernkompetenz darin, den Kunden anzusprechen. Wir wollen diejenigen unterstützen, die über diese Kernkompetenz verfügen.“ Deshalb unterstrich Stein als eines der vorrangigen Ziele von BMG die „Stützung des Handels durch noch intensivere, zielorientierte Aktionen“. Auch für die Plattenfirmen gelte es, sich für die digitale Zukunft auf Kernkompetenzen zu besinnen, die mit Hilfe des Internet zwar effizienter, aber nicht ersetzbar würden – „junge Talente zu finden, aufzubauen und weltweit zu vermarkten“. Stein betonte: „Unsere Kernkompetenzen werden angesichts der Angebotsexplosion im Netz an Bedeutung gewinnen.“ Die Inhalte seien dabei der „Schlüssel-Erfolgsfaktor“ – und: „Wir werden neue Kompetenzen erwerben, zum Beispiel beim Datenbank-Management.“ Daß über das Internet neue Wettbewerber auf den Markt drängen, die „Musik als Killer-Applikation“ einsetzen, sah Stein in diesem Zusammenhang als Herausforderung, der man begegnen könne. Schon bald werde es auch Lösungen für sichere Musikübertragung im Internet geben. Und mit dem Internet-Radio ergäben sich ebenfalls neue Perspektiven: „Irgendwann kommt der Punkt, an dem wir die Radioleute nicht mehr brauchen.“ Schließlich verwies Stein auf die Online-Aktivitäten von BMG: Mit den Plattformen getmusic.com, barnesandnobles.com und BOL sei man gut gestellt und könne der Zukunft optimistisch entgegenblicken. „Ich gehe davon aus, daß 99 Prozent der Bundesbürger gern Musik kaufen – und zwar Musik, die nicht geklaut ist“, meinte Thomas M. Stein. Im Bereich des E-Commerce arbeitet BMG mit Partnern wie Boxman, @lpha Music, CD4You, oder Adori zusammen. Außerdem hat sich die erst vor wenigen Mona-ten eingerichtete Adresse bmg.promotionservices.de als erfolgreich erwiesen; eine weiteres neues Angebot geht unter dem programmatischen Namen NewComerNet.de an den Start. In Anspielung auf das Tagungslogo und -motto („BMG 2000 – Zeit für neue Wege“) schloß Stein: „Es ist bereits fünf nach zwölf. Unsere Chance für die Zukunft ist es, weiterhin hochkreativ, flexibel und progressiv am Markt zu agieren.“ Und an die Adresse der gesamten Tonträgerbranche richtete er den Appell: „Rückgrat zeigen – das ist eines der wichtigsten Dinge, die die Industrie lernen muß.“