Smudo: „Das Musikbusiness hat ein Imageproblem‘

Als Künstler verhalf er als Mitglied der Fantastischen Vier dem deutschsprachigen HipHop zum Durchbruch. Als President von kennt er das Geschäft auch von innen. Seit neuestem setzt sich Smudo für „musicENTERtainment“ ein, der Imagekampagne des .

MUSIKWoche: Warum engagieren Sie sich für die Kampagne?

Smudo: Weil viele Journalisten erschreckend wenig von der Musikindustrie wissen, und in die gleichen sozialromantischen Hörner blasen wie ihre Leser, indem sie sagen „Jetzt bekommt die verschlafene Industrie endlich mal eins ausgewischt“. So sorgen sie dafür, dass bei den Leuten der Eindruck hängen bleibt, die Industrie sei der Feind der Musik.

MW: Aber es gibt doch Künstler, die die Industrie als Feind sehen, weil sie sich schlecht vermarktet fühlen, oder keinen Plattenvertrag bekommen.

Smudo: Wenn jemand sauer ist, weil er keinen Vertrag bekommt, ist das völlig in Ordnung. Wahrscheinlich gibt es Gründe dafür. Hinzu kommt, dass Künstler egozentrische Typen sind – das weiss ich aus eigener Erfahrung. Jeder Musiker glaubt doch, er macht die beste Musik. Das ist auch ein gesunder Ehrgeiz. Aber Ablehnung wird dann immer gleich persönlich. Dieses Problem gibt es auch bei Künstlern mit Plattenfirmenerfahrung: Wenn es nicht so gut lief oder wenn sie beschissen wurden, hört man immer die leicht zu applaudierende Äußerung „Die Industrie ist schuld“.

MW: Und warum gibt es dann diese – ihrer Ansicht nach sozialromantische – Einstellung in der Öffentlichkeit?

Smudo: Das ist eine gängige anti-industrielle Haltung. Wir verkaufen Kunst, deren grundsätzliche Geisteshaltung ist, gegen die Industrie zu sein. Man könnte also gewissermaßen sagen: Hier verkauft Greenpeace Waffen. Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Vermarktung. Es wird hier also mit einem Gut Handel betrieben, mit dem vom moralischen Grundverständnis her gar kein Handel betrieben werden dürfte, weil es ja „frei“ ist.

MW: Nun ist Musik aber keineswegs „frei“. Schließlich gibt es Urheberrechte, oder?

Smudo: Die Musikindustrie hat verpasst, ihr Image zu pflegen. Etwas, das die Film- oder Softwareindustrie nie versäumt hat zu tun. Die wurden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass ihre Produkte auf geistigem Eigentum mit bestimmtem Wert basieren. Die Presse hat es auch nie versäumt, für diese Meinung Partei zu ergreifen. Die Musikindustrie hat da geschlafen. Mit ihrer Hochpreispolitik und dem ganzen Popglamour – dicke Autos, schöne Mädchen, bündelweise Geld – hat sie sich ein Imageproblem bei den Konsumenten zugelegt. Das ist leider auch eine erschreckend verbreitete Meinung bei Journalisten. Dem müssen wir entgegen wirken. MW: Und wie?

Smudo: Mit Informationskampagnen wie „musicENTERtainment“ vom Bundesverband Phono. Die wird etwas bewirken. Vielleicht nicht von Heute auf Morgen, aber irgendwann muss man anfangen. Und im Moment brennt die Luft. Es kommt darauf an, zu kommunizieren, dass die Industrie nicht der Feind des Musikers ist, dass die Musik einen Wert hat, den es zu erhalten gilt, und dass Musik nicht wie Sammelbildchen hin und her getauscht werden kann. Mir kauft ein Konsument das wahrscheinlich eher ab, als beispielsweise einem BMG-Geschäftsführer.

MW: Und was sagen Sie dem Napster-User, der seine Musik umsonst bezieht?

Smudo: Der macht das ja nicht aus krimineller Energie, sondern weil es bequem ist. Langfristig wird auch die Industrie bequeme Wege im Internet für die Kunden anbieten, die dann Musik für einen vernünftigen Preis bekommen. Anhand der Zugriffszahlen auf Websites mit illegalem Four-Music-Content sehe ich, wie viele Interessenten es für diese Angebote gibt. Ich bin sicher, dass ein nicht kleiner Teil bereit wäre, für Four-Musik im Netz zu bezahlen.

MW: Ist das auch ein neues Geschäftsfeld für kleinere Labels?

Smudo: Schon. Aber das ist mit gewissen Spielregeln verbunden. Abgesehen von den immensen Betriebskosten ist zu klären, welche Territorialrechte eine Firma für den Online-Verkauf hat. Da müssen unter Umständen auch Verträge neu geschrieben werden.

MW: Wie lautet dann Ihr Appell an Konsumenten und Medien?

Smudo: Vergesst nicht, dass ihr mit Schwarzkopien nicht der Industrie schadet. Die zieht sich nämlich dann irgendwann zurück. Ihr schadet dem Künstler.