Schwarzbrenner und CD-Recorder als Bedrohung

Die Musikbranche steht vor schweren Herausforderungen: Vor allem das Klonen von CDs koste die Industrie enorm viel Geld, heißt es. Prefix-Chef Stefan Trapp zieht Vergleiche mit der Software-Industrie und prognostiziert dem Musikgeschäft schwere Zeiten:

Es ist schon erstaunlich, was es in MUSIKWoche kürzlich zu lesen gab: Vorneweg die Meldung, daß es für MP3-Player und CD-Recorder Abgaben gibt. Ja, und? In diesem Jahr werden zum ersten Mal mehr CD-Rs als bespielte Tonträger verkauft. Der Schaden liegt bereits jetzt bei geschätzten 120 Millionen Mark, wobei die Meinungen darüber auseinandergehen, ob es sich tatsächlich um Mark oder nicht doch um Euro handelt – auf jeden Fall gilt die Summe nur für die Bundesrepublik. Beim Lesen einer anderen Seite stieg mir dann der Blutdruck. Da behauptet ein Ingo Wolf, daß die Tonträgerpiraterie im Web nur von einer kleinen Gruppe von Leuten betrieben werde, und daß die Mehrzahl der Konsumenten sicherlich verstehe, daß den Künstlern Geld für ihre Leistung zusteht. Darf der in einer Fachzeitschrift solchen Unsinn verzapfen? Er darf. Die Frage ist nur, ob man ihm glaubt: Bereits im März gab es etwa 720.000 illegale MP3-Server im Netz. Im August waren es bereits mehr als eine Million. Wieviele es heute gibt, ist eigentlich egal, da es überhaupt keine Rolle spielt, ob es nun eine oder zwei Millionen Musikpiraten gibt. Mittelfristig wird es sich wohl in der Größenordnung der Online-Software-Piraterie einpendeln. Laut der BSA – einer Art IFPI für die Software-Unternehmen – sind im Internet bereits mehr als zwei Millionen Angebote unter dem Begriff „warez“ sowie rund 280.000 Websites unter dem Suchbegriff „appz“ zu finden, auf denen illegales Material zu finden ist. Geschätzer Schaden weltweit: etwa eine Milliarde US-Dollar. Der einzige Grund, warum die Software-Industrie daran bislang nicht zugrunde gegangen ist, sind die legal erwirtschafteten Zuwachsraten, die die Musikindustrie leider nicht hat. Was das Verständnis der Konsumenten für den leidenden Künstler betrifft, so sei das Gästebuch der Musikfans auf der Domain www.copykillsmusic.de empfohlen. Hier gab es zumindest bis vor kurzem noch das Urteil der Konsumenten direkt und von vorn, in aller Härte. Im Rheinland gibt es ein Sprichwort: „Et hätt noch immer alles jot jejange“. Wollen wir’s hoffen.

Stefan Trapp, Geschäftsführer der Agentur Prefix, Köln