Bei der als „Enthüllung“ inszenierten Wiedereröffnung fiel pünktlich der Vorhang und gab den Blick auf einen Saturn frei, „an dem die Kunden mitgebaut haben“, wie Geschäftsführer Wolfgang Deinert bei der Pressekonferenz am Tag zuvor berichtete. Denn am Konzept wirkte auch ein 15köpfiger Kundenbeirat mit. Jürgen Thiede, früher unter anderem in leitender Funktion bei Telefunken tätig und heute im Vorruhestand, ist Mitglied im Kundenbeirat: „Die Frage von Saturn hieß:,Was wünscht ihr als Stammkunden eigentlich?‘ Auf einem ersten Treffen im November 1998 hielten wir über 120 Ideen fest, die wir bei folgenden Zusammenkünften gemeinsam weiterentwickelten. Dabei zeigte sich die Tonträgerabteilung als besonders interessanter Bereich.“
Thiede beschreibt das Wirken des Kundenbeirats als lockere und dennoch intensive Tätigkeit: „Unsere Beratungen endeten im beiderseitigen Wunsch, daß der Beirat über das Ende des Umbaus hinaus aktiv bleibe, etwa im Hinblick auf Weihnachtsaktionen.“ In Zusammenarbeit mit dem Gremium entwickelten Deinert und sein Team mehrere Neuerungen: Für die CD-Abteilung, die auf 1.200 Quadratmetern einen Warenbestand im Wert von rund zwei Millionen Mark bereithält, wünschten die Räte „jungfräuliche“ CDs. Saturn griff zu einem altbewährten Mittel, um die Ware vor Gebrauchsspuren zu schützen: Einschweißmaschine und Schrumpffolie helfen, CD und Tray vor Kratzern und Fingerabdrücken zu schützen. Dieter Reuter, Verkaufsleiter Tonträger, berichtet, man wollte sogar einen eingeschränkten Vorspielservice in Kauf nehmen, wenn dafür CDs ohne Nutzungsspuren verkauft würden. Dennoch bietet Saturn heute mit 66 Anspielstationen mehr Möglichkeiten zum Probehören als vor dem Umbau.
Das Haus bringt zudem viele ungespielte CDs an den Kunden. Das ermöglicht der Einsatz des Sonopress Music Browser Networks. Mit Hilfe dieses Abhörsystems können Kunden direkt am Regal in die rund 50.000 CDs des Sortiments hineinhören. Sie müssen nur den Barcode einer CD unter einen der 48 Scanner halten, um das Produkt in 30sekündigen Ausschnitten vorgestellt zu bekommen. Saturn ersetzte das Bedienelement des Sonopress-Systems durch eines der Firma P.S. Professional Store, das dem Kunden Features wie Skip-Funktion und Lautstärkeregler bietet. Auch die Seitenwände der Tonträgerabteilung standen im Fokus: Hier findet der Kunde zahlreiche Stellflächen, die in zehn Reihen mit je vier Fächern Neuheiten und Angebote frontal präsentieren. „Die Wände sind von der Gestaltung britischer Outlets inspiriert“, erklärt Deinert. Einen Teil der Stellwände mit Abhörstationen sicherte sich Virgin für sein Repertoire und schmückte ihn mit einer Virgin-Store-Leuchtreklame. Reinhard Damian, Sales Marketing Virgin, sagt: „Das ist das Ergebnis einer über Jahre gewachsenen Kooperation. Darüber hinaus vereinbarten wir mit Saturn, daß jeder Tonträger aus dem Virgin-Programm auf der Theresienhöhe zu finden ist. Von dieser Maßnahme versprechen wir uns Anstösse für unser Back-Programm.“
Saturn plant nach der Wiedereröffnung dieser Filiale, die 1986 als erste Niederlassung der Handelskette in der bayrischen Landeshauptstadt öffnete, für Ende Oktober die Neueröffnung eines noch größeren Marktes in Hamburg.



