“Ich stelle doch mein Auto nicht mit offenen Fenstern und Schlüssel im Zündschloß am Bahnhof ab in der Hoffnung, dass es nicht gestohlen wird“, sagte , BMG-Chef und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Phono, zu Beginn der Gesprächsrunde über Musik im Internet. Jörg Tauss, Beauftragter für neue Medien der SPD-Bundestagsfraktion, erwiderte jedoch, die Musikindustrie praktiziere genau dies: „Sie stellen unverschlossene Produkte in den Markt, und wundern sich, dass sie gestohlen werden.“ Tauss forderte die Musikbranche auf, stärker in technische Entwicklungen zur Datensicherung zu investieren. Das sei durchaus mit enormen Kosten verbunden, sichere aber mittelfristig einen Wettbewerbsvorsprung. Tauss stellte dabei für die Entwicklung von Kopierschutzvorrichtungen Fördermittel des Bundes in Aussicht.
Skeptisch zeigte sich der SPD-Mann in Bezug auf Filtertechniken, wie sie das Right Protection System (RPS) darstellt. Ähnlich deutlich äußerte sich auch Hans-Joachim Otto, kultur- und medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion: „Die deutsche Phono-Industrie sollte sich an die Spitze der Bewegung setzen anstatt weinerlich am Rande zu stehen. Ich warne alle Beteiligten vor dem Irrglauben, dass man mit nationalen Alleingängen viel erreichen kann. Man sollte aber über eine maßvolle Urhebergesetznovelle nachdenken. Außerdem lässt sich über eine Anhöhung der Leermedienabgabe verhandeln. Auch eine Abgabe auf CD-Brenner und Festplatten halte ich gegenüber den Verbrauchern für vermittelbar.“
Laut , Chairman & CEO Universal Music, „verkennt die Politik, dass unser Geschäft ursprünglich auf der Auswertung terretorialer Rechte beruhte. Mit dem Internet sind wir nun alle plötzlich global. In Bezug auf Kopierschutz stimme ich Ihnen zu“, sagte Gramatke, doch sei eine Umsetzung ohne Zusammenarbeit mit der Hardware-Industrie unmöglich. In Zukunft Datensicherheit zu gewährleisten sei kein Problem, jedoch müssten rechtliche Mittel gefunden werden, wie der bereits im Handel befindliche Katalog der Branche vor Mißbrauch geschützt werden könnte.
, President Warner Music Northern & Central Europe, bezweifelte, dass die Politik sich der Dimensionen der Raubkopiererei bewusst ist: „Pro Jahr werden 240 Millionen CD-Rs mit Musik aus dem Netz oder Kopien von CD-Originalen bespielt. Das bedeutet Umsatzverluste von rund zwei Milliarden Mark.“ Staatsminister Erwin Huber warnte jedoch davor, die Technologie zu dämonisieren: „Da würden Sie sich in eine Sackgasse manövrieren.“
, Geschäftsführer Bundesverband Phono, sieht vor allem ein „psychologisches Problem in weiten Teilen der Öffentlichkeit. Weil Musik so leicht zu kopieren ist, besteht eine Neigung, sich diese schöne Möglichkeit so lange zurecht zu rationalisieren, bis am Ende der Geschädigte selbst daran schuld ist.“ Die Musikbranche benötige die Überzeugungskraft und gegebenenfalls auch den Druck der Politik bei der Durchsetzung des Urheberrechts, ergänzte , Vorsitzender Geschäftsführer des Bundesverbands.
Thomas M. Stein bezeichnete die Situation als „elementares Dilemma zwischen Politik, Rechtsbewusstsein und technischen Möglichkeiten. Deshalb suchen wir das Gespräch mit der Politik.“ Stein verwies dabei auf die Entwicklung bei der europäischen Urheberrechts-Direktive. Und GEMA-Aufsichtsrat verstärkte den Appell an die Politik: „Die Ressource Urheberrecht ist in extremer Not.“






