Rolling Stone geht ins Netz

Als erste der beiden großen Musikzeitschriften startete im Oktober der Online-Auftritt des deutschen „Rolling Stone“ unter www.rollingstone.de, den Chefredakteur Bernd Gockel „nicht als Blinddarm des Printmagazins“ sieht.

“Andererseits müssen die Impulse derzeit von der Print-Redaktion kommen. Das bedeutet, dass wir Schritt für Schritt Erfahrungen machen werden: wo wir umdenken, die Print-Mentalität ablegen und neue Prioritäten setzen müssen.“ Die Redakteurin Birgit Fuss ist für die Online-Aktivitäten mit täglich und wöchentlich aktualisierten Seiten zuständig, eine zusätzliche Stelle ist geplant.

„Eine mehrköpfige Online-Redaktion aus dem Boden stampfen zu wollen wäre angesichts der tröpfelnden Erträge aus der Bannerwerbung nicht nur ökonomischer Selbstmord, sondern würde vermutlich auch die Konsequenz haben, dass der Online-Auftritt nicht die organische Fortsetzung der Print-Aktivitäten wäre.“

Ambivalent beurteilt Gockel die allgemeine Lage Musikzeitschriften: “ Print ist ein kaltes Medium und war als solches immer ein Stiefkind der Musikindustrie. Wir können nicht mit Jürgen von der Lippe konkurrieren, der zählbare Kaufimpulse auslöst. Andererseits hat ein heißes Medium wie Fernsehen den gravierenden Nachteil, dass diese Impulse keine Langzeitwirkung haben. Wenn die Musikindustrie darüber klagt, dass es heute fast unmöglich geworden sei, einen Künstler langfristig aufzubauen, dann hat sie dieses Phänomen nach selbst dadurch mit ausgelöst, dass sie einseitig auf die immanente Ex-und-Hopp-Mentalität von MTV und Viva gesetzt hat.“

Die Band Travis ist laut Gockel ein „gutes Beispiel“ für erfolgreiche Unterstützung durch den Rolling Stone. „Nicht nur aufgrund dieser positiven Ausnahmen sehe ich die Zukunft von Print-Medien durchaus positiv, auch und gerade im Zeitalter des Internets. Das uns noch allen bevorstehende Bombardement des Online-Marketings wird dazu führen, dass der Existenz eines Offline-Guides immer größere Bedeutung zukommen wird.“