Preis der deutschen Schallplattenkritik: Juroren ehren Nischenprodukte

„Qualität allein macht noch keinen Verkaufsrenner.“ Darauf weisen die Juroren vom Preis der deutschen Schallplattenkritik hin, die in der Vierteljahresliste 4/2000 vor allem Produktionen von den Randbereichen des Repertoires für auszeichnungswürdig befinden.

So bekamen in der Rubrik „Symphonien und Konzerte“ Werke von Karl Amadeus Hartmann, in der Einspielung mit dem Klarinettisten Paul Meyer, dem Petersen-Quartett und dem Münchener Kammerorchester (ECM New Series) ebenso eine Empfehlung wie bei der Klaviermusik die Sonaten Nr. 1 und 2 von Nikolai Kapustin (Hyperion/Koch) oder bei der Kammermusik „Intrada di Polcinelli“ von Johann Heinrich Schmelzer (Klassik-Center Kassel).

In der Rubrik Oper/Oratorium schnitten „Thaos“ von Jules Massenet (Decca), Händels „Theodora“ (Archiv Produktion/DG) und „Semyon Kotko“ von Serge Prokofieff (Philips) am besten ab. Die Juroren merken an, dass es bei der Vierteljahresliste kaum noch Überschneidungen zu den Klassik-Verkaufscharts gibt, in denen „die Lottis und Tenor-Trios, die Crossover- und KuschelKlassik-Alben so stark dominieren, dass ein paar echte Klassik-Titel darin wie verloren wirken“.

Etwas verloren auf der Liste wirken dafür angesichts der Überzahl von E-Musik-Kategorien die wenigen Pop- und Jazz-Nennungen. „Sing When You’re Winning“ von Robbie Williams (EMI) und David Poe mit dem gleichnamigen Album (Ulftone/edel Contraire) fanden Erwähnung im Segment Pop, Rock und Blues, „When The Spirit Returns“ von Lester Bowie (Warner Classics & Jazz) und „Musik für Wohnzimmer“ vom Till Martin Quartet (Sunny Moon) in der Rubrik Jazz.