Exklusive Video-Files der wichtigsten Panels und Keynote-Reden finden Sie hier:
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Die Keynote-Rede von Andreas Schmidt, CEO Bertelsmann eCommerce Group (BeCG): Modem/ISDN TDSL (High Quality)
Die Keynote-Rede von Peter Gabriel: Modem/ISDN TDSL (High Quality)
Interview mit Musiker und Produzent Howie B.: Modem/ISDN
Napster-Podiumsdiskussion: Modem/ISDN TDSL (High Quality)
Präsentation der Jupiter-Studie zum Wachstum des Online-Musikmarkts: Modem/ISDN
— Die Multimedia-Streams wurden der Redaktion freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt – für Qualität und Inhalt zeichnet musikwoche.de deshalb nicht verantwortlich. —
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Plug.In im Internet:
www.jupitermmxi.com www.jup.com www.plugin.jup.com www.jxdrm.com www.jmm.com
Nach mehreren erfolgreichen Veranstaltungen in den USA organisierten die Marktforscher von Jupiter MMXI erstmals ein Plug.In-Forum in Europa. Am 2. und 3. April trafen sich im Hotel Princesa Sofia Intercontinental über 250 Vertreter von Plattenfirmen, Internet-dienstleistern, Telekommunikationsunternehmen sowie Anbietern von Digital-Rights-Management- und Online-Distributions-Lösungen.
Der Kongress beschäftigte sich mit den aktuellen Problemen der Musik- und Online-Branche. Die Entscheider, die in der Industrie für die kommenden Aufgaben die Richtung vorgeben, diskutierten über die Entwicklungsmöglichkeiten dieses Markts in Europa.
Im Mittelpunkt stand die Keynote-Rede von Andreas Schmidt, President & CEO der Bertelsmann eCommerce Group (BeCG). Sein Thema: „Die Zukunft ist jetzt – Wie man Konsumentenwünsche mit digitalem Medienvertrieb erfüllen kann“. Die Online-Musikbranche solle die Veränderungen nicht als Bedrohung sondern als Chance begreifen. Da das traditionelle Musikgeschäft in den nächsten Jahren weitgehend stagnieren werde, müsse die Aussicht auf zusätzliche Umsätze und Kosteneinsparungen durch Digitalvertrieb ermunternd auf die Musikindustrie wirken.
In seinen Berechnungen, die sich ausschließlich auf US-Marktzahlen und -Prognosen stützen, ging Schmidt von einem Marktwachstum von 2,3 Prozent für das konventionelle Geschäft in den nächsten fünf Jahren aus: Während die US-Branche im Jahr 2000 noch rund 14,3 Milliarden Dollar mit Tonträgerverkäufen erwirtschaftete, sollen es 2005 etwa 16,2 Milliarden Dollar sein.
Demgegenüber stünden Online-Umsätze in Höhe von zuletzt 800 Millionen Dollar (2000) und künftig 8,1 Milliarden Dollar (2005). Dann soll laut Schmidt das Umsatzvolumen durch Digitalvertrieb und Filesharing (4,2 Milliarden Dollar) erstmals das der Online-CD-Verkäufe (3,9 Milliarden Dollar) übersteigen.
„Die Musik verlässt das physische Trägermedium“, sagte Schmidt vor vollem Saal. Die Art und Weise, wie Plattenfirmen ihre Produkte bislang vertreiben, habe sich oft als zu teuer und ineffizient erwiesen. Schon allein deshalb könne der Weg nur in Richtung des digitalen Vertriebs von Medienprodukten gehen. Damit begründete Schmidt unter anderem auch das Engagement der BeCG bei Napster: „Ich glaube an diese Marke, denn der Geist ist aus der Flasche.“
Als Beleg sollte die aktuelle Nutzerstatistik des Filesharing-Dienstes dienen: Seit November 2000 hat sich die Anzahl der Napster-User auf nunmehr 72 Millionen verdoppelt, und das bei einem täglichen Zuwachs von 300.000 Nutzern. Dabei sind zu Spitzenzeiten rund 1,5 Millionen User gleichzeitig im System aktiv. 80 Prozent der eingetragenen Napsterianer nutzen die Software mindestens einmal pro Monat.
Welche Bedeutung diese Entwicklung für die Medienbranche bekommen wird, zeige auch das Projekt MusicNet (musikwoche.de berichtete in Heft 15), das kurz nach Schmidts Rede bekannt gegeben wurde. Beim anschließenden Panel „The New Music Econmy“ zeigte sich dann jedoch, dass zwischen den Positionen eines Musikbranchenfremden wie Andreas Schmidt und erfahrenen Executives der Plattenfirmen zum Teil Welten liegen.
So bemerkte Emmanuel de Buretel, President Virgin Continental Europe: „Vor solchen Prognosen sollte man bedenken, dass in Europa die Urheberrechtsgesellschaften sehr einflussreich und restriktiv sind.“ Vor einer einvernehmlichen Lösung mit Angeboten wie Napster stehe die Klärung aller Urheberrechtsfragen. Es sei also ein sensibles politisches Vorgehen gefragt, da Napster „nicht der einzige ‚Milosevic‘ im Internet“ sei. Es gebe schließlich noch genügend andere illegale Angebote, die ein legitimes Geschäft derzeit erschwerten, so de Buretel.
Eine weitere visionäre Position vertrat Peter Gabriel, Musiker und Mitgründer des Online-Großhändlers OD2. Das Musikgeschäft sei mittendrin im Wandel. Statt unpersönlichen Massenangeboten würden zunehmend auch individualisierte Vertriebsformen an Bedeutung gewinnen. Musikabos in unterschiedlichen Ausprägungen sah Gabriel in seiner Rede als Herausforderung für die Zukunft: „Die Musikkonsumenten werden Abos entweder für den Katalog eines bestimmten Künstlers abschließen wollen oder für ein Gesamtangebot aller Titel.
Dazwischen wird wohl nur wenig eine Chance haben.“ Auf die Frage, ob die Ankündigung von MusicNet bedeute, dass die großen Player nun auch den Online-Markt beherrschen wollen, meinte er: „Das Internet erlaubt den Kleinen, auf Augenhöhe mit den Großen zu spielen.“
Musikabos beschäftigten die Kongressteilnehmer auch in den restlichen Panels. So sagte Martin Craig, Vice President New Media Warner Music International: „Ich bin zwar ein Freund von CD-Abos, für die ich jährlich 50 Dollar bezahle und dafür etwa sechs CDs bekomme. Digitale Abos machen aber plötzlich einen ganzen Katalog für vergleichsweise wenig Geld verfügbar. Das ist eine massive Entwertung von Musik.“
Simon Bazalgette, CEO von Music Choice, erwartete dagegen, dass die Musikbranche einen Weg einschlagen werde, der dem Geschäftsmodell der Filmindustrie nahe kommt: „Die Verwertungskette für Musik wird kostenlose Angebote analog zum Free-TV, Abos wie Pay-TV, physische Produkte wie DVDs und Live-Erlebnisse wie den Kinobesuch umfassen.“ Ein Geschäftsmodell, das ausschließlich auf Musikabos fußt, werde jedoch nicht überleben können, sagte Bazalgette.
Solche Modelle müssten „eine immense Marketingpower in den Markt stecken, um eine kritische Masse an Umsatz zu erzielen“. Diese Ansicht unterstützte auch Tim Bowen, Executive Vice President Universal Music International: „Ich kenne noch kein Geschäftsmodell in diesem Bereich, das funktioniert – geschweige denn profitabel arbeitet.“
der online-musikmarkt…
… wächst zwar zusehends, aber derzeit eher noch im marginalen Bereich. Den großen Traffic verzeichnen immer noch illegale Angebote wie Napster, auch wenn die Zukunft der Tauschbörse bis auf weiteres ungewiss ist. Eines wurde bei der Plug.In Europe allerdings deutlich: Es wird einen Markt für digital vertriebene Musik geben. Nur: Wann und in welchem Umfang mit nennenswerten Umsätzen zu rechnen ist, konnten auch die federführenden Entscheider der Branche nicht sagen. Einig sind sich inzwischen alle, sogar die ehemals größten Skeptiker und Verhinderer: Das Internet wird ein Komplementärkanal für den Absatz von Musik sein. Aber es wird auch immer CD-Käufer und Internetverweigerer geben. Der Erfolg von neuen Geschäftsmodellen und Vermarktungsformen hängt von vielen Faktoren ab, wie zum Beispiel die nach wie vor ungeklärten Rechtsfragen zwischen Urhebern, Verwertungsgesellschaften, Plattenfirmen und Online-Retailern, die Entwicklung der technischen Infrastruktur in den einzelnen Märkten, welche Endgeräte sich für den Empfang und die Nutzung von Songfiles durchsetzen werden oder welche Bezahlmechanismen von den Konsumenten angenommen werden. Oft zu hören war bei der Plug.In Europe der Satz: „Das Internet wird aus einem 40-Milliarden-Dollar-Business ein 100-Milliarden-Dollar-Business machen.“ Auf die Frage, woher in Zukunft die Konsumenten kommen sollen, die bislang ein Potenzial von 60 Milliarden Dollar brach liegen ließen, konnte jedoch niemand eine zufrieden stellende Antwort geben.






