Philips bestätigt PolyGram-Gespräche mit Seagram

Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat erstmals Verhandlungen mit der kanadischen Seagram über einen Verkauf seiner Film- und Musiktochter PolyGram bestätigt. Zu Seagram gehört bereits der Musik-Major Universal Music Group. Ob und wann eine Einigung erzielt werden könne, sei aber noch unsicher, teilte Philips jetzt mit.

Das Branchenblatt „Variety“ berichtete, daß ein Abschluß der Übernahmeverhandlungen bereits bis zum Ende des Monats möglich sei. Gerüchteweise war zu hören, daß der kanadische Mischkonzern zehn Mrd. US-Dollar (1,8 Mrd. Mark) für den 75-Prozent-Anteil von Philips an PolyGram in die Niederlande überweisen muß. Die beiden US-Investitionsfonds Thomas H. Lee und Forstmann Little sollen jedoch, so berichteten mehrere US-amerikanische und britische Zeitungen, mitbieten wollen. Analysten räumen Seagram allerdings größere Chancen ein.

PolyGram ist nach Angaben von Philips mit einem Weltmarktanteil von 17 Prozent der größte Musikproduzent der Welt. 1997 verzeichnete das Unternehmen einen Umsatz von 11,1 Milliarden Gulden und einen Gewinn von 787 Millionen Gulden. Im ersten Quartal dieses Jahres sank der Gewinn um 90 Prozent auf 15 Millionen Gulden. Als Gründe wurden die Wirtschaftskrise in Asien und ein Mangel an Top-Musikhits angeführt. Eine Fusion von Universal Music und PolyGram würde Synergieeffekte in einer geschätzen Höhe von 200 bis 300 Mio. US-Dollar (360 bis 540 Mio. Mark) ermöglichen.

Über das Schicksal des PolyGram-Filmzweigs, der PolyGram Filmed Entertainment (PFE), herrscht Unklarheit. Mehrere Quellen erwarten, daß Seagram PFE nach einer Übernahme für etwa 1,5 Mrd. Dollar abstoßen wird.