“Wenn der E-Commerce im Weihnachtsgeschäft nicht den Durchbruch schafft, sehen die Zukunftsperspektiven düster aus“ – so der allgemeine Tenor der Branchenanalysten im Vorfeld des Saisongeschäfts. Die Unkenrufe der Experten scheinen sich jedoch eine Woche nach Ende der Feiertage nicht zu bewahrheiten. Zwar veröffentlicht fast kein Unternehmen detailierte Zahlen, aber im Gespräch mit MUSIWoche bekundeten die Online-Händler ihre Zufriedenheit mit den erzielten Umsätzen und den Ergebnissen der zu bewältigenden logistischen Anforderungen.
Bei Primus-Media lief nach Aussage von Geschäftsführer Achim Fehlau „alles reibungslos. Bei uns ging das Weihnachtsgeschäft bereits Mitte Oktober an, und das Umsatzvolumen steigerte sich bis zwei Tage vor Heiligabend.“ Speziell der Geschenke-Express-Shop, der den Kunden die Auslieferung der bestellten Waren innerhalb von 24 Stunden garantierte, habe sich großen Zuspruchs erfreut. „Wer bis zum 19. Dezember bestellt hatte und seine Ware nicht bis spätestens 23. Dezember erhalten hatte, bekam von uns einen Preisnachlass in Höhe von 30 Prozent.“ Besonders erfreulich war für den PrimusMedia-Chef die Tatsache, „dass wir auch zwischen Weihnachten und Neujahr sehr gute Verkäufe hatten“. „Sehr zufrieden“ äußerte sich auch
Stefan Preuhs, Projektmanager Internet und E-Commerce bei WOM: „Die selbstbewussten Ziele, die wir uns für das Jahr 2000 gesteckt hatten, haben wir erreicht. Die Umsätze entwickelten sich bei wom.de parallel zu denen im stationären WOM-Geschäft: Im Vergleich zum Rest des Jahres stiegen sie im November und Dezember um bis zu 250 Prozent.“
Bei Amazon.de kann Geschäftsführer Philipp Humm von „einer zweieinhalbfachen Verbesserung“ des Ergebnisses im Vergleich zur Vorjahressaison berichten. Allein am 21. Dezember verließen 68.000 Aussendungen das Distributionszentrum in Bad Hersfeld, das im Lauf des letzten Jahres mit einem zweistelligen Millionenbetrag automatisiert und auf die bevorstehenden Herausforderungen vorbereitet wurde. Durch das Weihnachtsgeschäft habe man rund 500.000 Neukunden hinzu gewonnen, so eine Sprecherin von Amazon. Außerdem konnten die auf der Website genannten Lieferversprechen in 99,8 Prozent der Fälle eingehalten werden – ein Problem, das noch 1999 vielen E-Commerce-Anbietern erhebliche Kopfschmerzen bereitet hatte.
Diese Schwierigkeiten scheinen auch bei BOL weitgehend behoben: Zum Dreikönigstag konnte BOL-Sprecherin Ute Weinhold von keinen nennenswerten Störungen bei der Auslieferung berichten. Statt dessen sprach sie von „einer Verfünffachung der verkauften Produkte“ im Vergleich zu den vier Verkaufswochen vor Heiligabend 1999. Dies spiegele in etwa auch die Steigerung des Umsatzvolumens wider. Auch Gerhard Georg Ortmann, Geschäftsführer des Versandhandels- und Fulfillmentspezialisten jpc, konstatiert „ein überragendes Ergebnis. Wir konnten die Dezemberumsätze um 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern.“ Bei der Zustellung der Waren kam es laut Ortmann zu keinen Verzögerungen – „Wir machen das ja nicht erst seit ein paar Jahren“.
Aus den Erfahrungen des Vorjahres gelernt hat auch die Adori AG, die laut Pressesprecher Sven Weiss dank zahlreicher Überstunden im Bereich Vertrieb und Logistik „alle Bestellungen fristgerecht abwickeln konnte“. Auf ein „sehr erfolgreiches Geschäft“ blickt zudem Alexander Wessendorf, Geschäftsführer der Weblog AG, zurück, der „eine zufriedenstellende Umsatzsteigerung trotz fehlender Vergleichbarkeit“ verzeichnet. Das Unternehmen ist erst seit Anfang 2000 als Fulfillmentfirma tätig. Und bei my disc, dem Customized-CD-Dienst von Deshima Music, konnten die Verkäufe im vierten Quartal im Vergleich zu den drei Vormonaten verdoppelt werden, wie Marketingleiter Frank Schneider berichtet. Alles in Allem also ein versöhnlicher Jahresabschluss für die krisengeplagte New Economy.





