Sehr geehrter Herr Dr. Naumann,
Sie sind als erster Staatsminister für Kultur und Medien mit der prononcierten Aussage angetreten, ein offenes Ohr für die Belange der Künstler und Kulturschaffenden auf allen Ebenen des Kunstbetriebes zu haben. Wir als Vertreter der deutschen Veranstaltungswirtschaft vermissen genau dies: Ihr offenes Ohr, Ihre Bereitschaft zur Diskussion über Probleme auch unserer Branche insbesondere im Hinblick auf anstehende bzw. dringend erforderliche gesetzliche Neuregelungen. Gewiss war es nicht leicht, sich in der neuen Position schnell ein Bild von der Gesamtheit der kulturellen Einrichtungen, Angebote und Sachfragen zu machen. Auch können wir nachvollziehen, daß Themen wie der kulturelle Aufbau in den neuen Bundesländern, die Teilwertabschreibung, das Stiftungsrecht oder die Diskussion über wichtige Gedenkstätten und Museen zunächst Ihr vordringliches Interesse verdient haben. Wir dürfen aber erwarten, dass Sie nach bald zwei Jahren Amtszeit auch dem Bereich der Veranstaltungswirtschaft Ihre Aufmerksamkeit schenken. Den Erörterungsbedarf der durch den IDKV repräsentierten Veranstaltungsbranche haben wir Ihnen mehrfach signalisiert. So sehen wir mit erheblicher Besorgnis der Umsetzung der bisher bekannt gewordenen Novellierungsbestrebungen des Künstlersozialversicherungsgesetzes entgegen. Die starre 50prozentige Gewinnbesteuerung beschränkt steuerpflichtiger ausländischer Künstler belastet unsere Branche – insbesondere bei der Verpflichtung weniger verdienender Künstler – nach wie vor erheblich und führt zunehmend zu einer Behinderung der Kulturvielfalt unseres Landes (Stichwort „Clubsterben“). Auch der sog. „Kulturorchestererlaß“ sowie die nicht nachvollziehbaren Unterschiede bei der Umsatzbesteuerung von Solisten und Ensembles bedürfen dringend einer Revision.Natürlich wissen wir, daß vorstehende Themenbereiche in die Kompetenz spezieller Ministerien fallen. Dennoch sind wir der Auffassung, daß ein Staatsministerium für Kultur über die aktuelle Problemlage aus der Sichtweise einer wirtschaftlich so bedeutenden Branche wie der Veranstaltungswirtschaft, dem wohl wichtigsten Motor unseres Kulturbetriebes, umfassend informiert sein sollte. In einem Brief aus Ihrem Hause – vom April 1999 – an unseren Verband war die Rede davon, dass die populäre Kultur/Rock und Pop in der neu organisierten Kulturabteilung „künftig eine größere Rolle spielen soll“. Dazu sei geplant, „baldmöglich“ eine Art Hearing zu veranstalten. Unsere wiederholten Anfragen und Bitten um Ihre Teilnahme an einer auf Ihren Terminplan abgestimmten Diskussionsveranstaltung zu Themen der Veranstaltungsbranche wurden in den vergangenen 20 Monaten von Ihrem Amt jedoch leider entweder gänzlich negiert oder mit vertröstenden Antwortschreiben bedacht. Zu einem Hearing oder auch nur einem informellen Gedankenaustausch ist es leider bisher nicht gekommen. Auch unser letzter Versuch, durch telefonische Vereinbarung eines persönlichen Gesprächstermines vielleicht endlich doch noch einen Dialog mit Ihnen aufnehmen zu können, scheiterte, da Sie den bereits avisierten Termin unter Hinweis auf Ihre „sachliche Unzuständigkeit“ wieder stornieren ließen. Diese andauernde „Funkstille“ kann unsere Branche nur dahingehend interpretieren, dass der Kulturbegriff Ihres Amtes allzu sehr auf die in den Medien behandelten Großprojekte, Denkmäler oder staatlich subventionierten Kunstbereiche fokussiert ist. Der deutschen Veranstaltungsindustrie, die gemäß einer aktuellen GfK-Studie jährlich immerhin einen Umsatz von 5,2 Mrd. DM tätigt, haben Sie, sehr geehrter Herr Dr. Naumann, jedenfalls bisher Ihr „offenes Ohr“ versagt und eine ihrer Bedeutung angemessene Wertschätzung nicht zuteil werden lassen. Mit diesem Offenen Brief möchten wir Sie auffordern, endlich mit uns in den Dialog zu treten. Geben Sie uns Gelegenheit, Ihnen einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation unseres Wirtschaftszweiges zu verschaffen. Verschließen Sie sich bitte nicht länger einer Diskussion über die Anliegen der vom IDKV repräsentierten Kulturschaffenden sowie insbesondere der Ihnen vorliegenden Appelle des IDKV, dem sich bereits 45 andere Organisationen des deutschen Kulturbetriebs angeschlossen haben.
Mit freundlichen Grüßen
IDKV-Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft e.V. Jens Michow Präsident






