Österreich: Krach um Ö3-Kritik

„Ich habe bei Ö3 den Eindruck, daß dort die Mitarbeiter ausschließlich aus den größten Deppen jedes Matura-Jahrgangs rekrutiert werden und der am schnellsten eine eigene Sendung moderieren darf, dessen sprachliche Fähigkeiten am eingeschränktesten sind.“ Für diese Worte wurde der österreichische Schriftsteller Karl Markus Gauß von einem Gericht nicht nur zu 8.000 Schilling (1.100 Mark) Strafe verurteilt, sondern muß auch etwa 200.000 Schilling Anwaltskosten tragen, die den gleich 16 (!) klagenden Ö3-Leuten entstanden sind.

Nun ist die Empörung unter der Intelligenzija der Alpenrepublik groß: Der Prozeß diene dazu, „einen kritischen Intellektuellen einzuschüchtern und, wenn er dann nicht spurt, finanziell zu ruinieren“, echauffierte sich Gauß‘ Kollege Robert Menasse in einem offenen Brief an den ORF.

Ö3-Sendechef Bognan Roscic konterte: Die „Deppen“-Kritik sei, „was eine bestimmte Geschmacksrichtung österreichischer Intellektueller seit Jahrzehnten zu elektronischen Medien denkt: pfui“. Gauß selbst will, falls nötig, bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen.